Lagebild Ukraine
Die Ukraine setzt im Krieg immer stärker auf Drohnen – und trifft Russland damit empfindlich. An der Front schaffen die unbemannten Systeme ein tödliches Sperrgebiet, zugleich attackieren sie Nachschublinien, Raffinerien und Häfen weit hinter der Front.
Darum geht’s
- Ukrainische Drohnen haben bei einer Übung eine gepanzerte US-Brigade «zerstört». Wer sich als Pilot oder Pilotin bewirbt, sollte das beliebte Computerspiel «Grand Theft Auto» gezockt haben.
- An der Front sichern Drohnen das Überleben der ukrainischen Soldaten, im Hinterland machen sie weiter Jagd auf russischen Nachschub.
- Die strategischen Luftangriffe auf Warenlager und Raffinerien gehen weiter: In Teilen Russlands gibt es wieder Schlangen vor den Tankstellen. Auch der Getreideexport wurde unterbrochen.
Die Ukrainer der 412. Brigade für unbemannte Systeme, die «Nemesis» genannt wird, kennen kein Pardon. Ihre Drohnen nehmen den Gegner auseinander: Panzer, Schützenpanzer und Artillerie werden massenweise zerstört.
Der Feind kommt in diesem Fall aber nicht aus Russland, sondern den USA, berichtet das «Wall Street Journal»: 3500 Soldaten der 3. gepanzerten Brigade und der 1. Kavallerie-Division nehmen in Deutschland an der Übung «Combined Resolve» teil – und müssen Lehrgeld zahlen.
Die Ukrainer sind so effektiv, dass bereits getroffene Panzer wieder in die Übung eingebunden werden müssen, um das Manöver am Laufen zu halten. Die amerikanischen Kräfte seien regelrecht «zerstört» worden, schreibt die US-Zeitung.
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«Grand Theft Auto» als Test
Diese Episode ist ein weiterer Beleg dafür, wie sich die Kriegsführung nach dem russischen Überfall auf die Ukraine verändert hat. Weil Drohnen weite Teile des Schlachtfeldes beherrschen, geht Kiews Armee auch bei der Rekrutierung neue Wege, erklärt Hauptmann Anton Bobrovskyi, der die entsprechenden Piloten ausbildet, dem Portal Ukrinform.
«Bei der Personalauswahl legen wir Wert darauf, dass sich die Bewerber mit einem Gamepad auskennen. Wir heben dabei besonders das Videospiel ‹Grand Theft Auto› hervor», sagt Bobrovskyi: «Diejenigen, die die Hubschrauber-Mission [in dem Game] geschafft haben, gehören mittlerweile zu den besten FPV-Drohnenpiloten.» FPV steht für First Person View – also Drohnen, die aus der Ich-Perspektive gesteuert werden.
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«Ich möchte den Leuten, die vorhaben, sich zu melden, vermitteln, dass unbemannte Systeme Spass machen und spannend sind», fährt der Ukrainer fort. «Ich nenne gerne das Beispiel, dass ein Schütze nicht immer das Ziel sieht, auf das er schiesst, aber ein FPV-Operator kann sogar den Gesichtsausdruck seines Gegners genau erkennen.»
Angriffe auf Russlands Nachschub halten an
Das bestätigen zahlreiche Videos auf Social Media: Sie zeigen russische Infanteristen, die oft alleine unterwegs sind, um gegnerisches Gebiet zu infiltrieren. Die Männer verstecken sich, laufen davon, stürzen zu Boden oder schiessen auf die Drohne, die ihre letzten Reaktionen filmt, bevor sie sie tötet. Es sind Clips, die hier nicht eingebettet oder verlinkt werden sollen.
Kiews «Wand aus Drohnen» macht das Gebiet fünf bis zehn Kilometer hinter der Front zum todbringenden Niemandsland. Und auch in der mittleren Reichweite schlagen die ukrainischen Streitkräfte unablässig aus der Luft zu, um den Nachschub der russischen Armee zu stören.
Russische Nachschublinien in der Südukraine: Laut dem Portal Reporting from Ukraine hat Kiew im Juni 586 russische Lastwagen getroffen. Im Juli sollen es 656 gewesen sein.
YouTube/Reporting from Ukraine
Seit Monaten steht dabei die Autobahn R-280 im Fokus, die das russische Rostow am Don über Mariupol und Melitopol in der Südukraine mit Simferopol auf der Krim verbindet. Wer in Russland optimistisch ist, spricht von der «Neurussland-Autobahn». Wer pessimistisch ist, nennt die Strasse den «Highway des Todes». Ein aktuelles Video verdeutlicht, warum: Die Strasse ist gesäumt mit zerstörten und brennenden russischen Fahrzeugen.
Source: @osinttechnical on XFootage of destroyed Russian transports littering the side of the critical Russian R-280 supply route in occupied southern Ukraine. Ukrainian mid-range strike drones have swarmed the route this summer, destroying numerous vehicles.
— OSINT Mirror Feed (@osint-mirrors.bsky.social) 13. August 2026 um 00:46
Moskau versucht natürlich, gegenzusteuern. Militärische Lastwagen werden beispielsweise als zivile Fahrzeuge getarnt. Flugabwehr-Posten wurden an den wichtigsten Strecken errichtet und Konvois gebildet, die mit Eskortfahrzeugen geschützt werden. Dass das mitunter erfolglos ist, zeigt unten stehendes Video, das Anfang August bei Prymorsk entstanden ist: Von drei Tanklastern kommt trotz Militär-Schutz nur einer durch.
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Strategische Angriffe nach bewährtem Muster
An der Front selbst gibt es derzeit kaum Bewegung: Weil es aktuell nicht danach aussieht, als könnten Kiews Kräfte verlorenes Territorium zurückerobern, müssen die ukrainischen Langstreckenangriffe dafür sorgen, dass dem Gegner schmerzhafte Schäden zugefügt werden.
Ukraine’s MICH-2000, a domestically developed analogue of Iran’s Shahed. The long-range strike drone is used primarily by Ukraine’s SBU for attacks on strategic targets deep inside Russian territory. #Ukraine
— NOELREPORTS (@noelreports.com) 12. August 2026 um 21:31
So wie bei der Attacke am 11. August auf die Raffinerie von Orsk, die rund 1300 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt ist: Nach dem erneuten Drohnenangriff ist die Anlage angeblich mindestens sechs Monate offline. Die benötigten Ersatzteile sind wegen der Sanktionen schwer zu bekommen.
🔥🛢️The governor of Russia’s Orenburg Oblast says the Orsk oil refinery has been knocked out for around six months following the strike.Key damaged equipment was imported, and replacing it under sanctions will take considerable time. Residents were told to prepare for the worst case scenario.
— 🦋Special Kherson Cat🐈🇺🇦 (@specialkhersoncat.bsky.social) 13. August 2026 um 13:08
Auch die Logistikzentren des Online-Händlers Wildberries bleiben in Kiews Visier: Weil über diese auch militärisches Gerät vertrieben wird, lässt Kiew sie angreifen.
Das jüngste Opfer ist das Lager in Tschischmy in der Republik Baschkortostan:
Russia’s supply chain is crumbling! 💥Last night, the 186,500 m² Wildberries hub in Chishmy was struck—the 20th top-tier warehouse wiped out in just 2 months.Systematic destruction of key logistics is leaving the aggressor paralyzed. 🏗️🔥#RussiaUnderAttack #LogisticsWar
— Ukraine News (@ukrainee.bsky.social) 13. August 2026 um 12:01
Ganz in der Nähe in Salavat wird zudem eine Gazprom-Raffinerie attackiert. Salavat liegt in der Republik Baschkortostan, die rund 1200 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt ist.
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Dagegen liegen nur etwa 320 Kilometer zwischen der Frontlinie und dem Hafen von Noworossijsk, wo am 12. August Luftalarm ausgelöst werden muss: Ukrainische Drohnen treffen dabei unter anderem angeblich vier Kriegsschiffe – siehe Video ganz oben.
Die Folgen der Luftangriffe
Dass diese Kriegsschiffe nun eine Zeit lang ausfallen, ist eine Sache. Eine andere sind die Schäden an den beiden Terminals, über die am Hafen Getreide verschifft wird: Sie mussten den Betrieb einstellen. Die beiden Terminals sind die grössten ihrer Art in Russland: Sie verarbeiten pro Jahr 8,5 und 7,1 Millionen Tonnen Getreide.
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Damit ist wegen Kiews Drohnangriffen nun vorerst Schluss. Gleichzeitig verschärfen die Attacken auf die Raffinerien die Versorgungslage bei Kraftstoffen, die sich zuletzt zu entspannen schien. Nun gibt es wieder Clips, die lange Schlangen vor russischen Tankstellen zeigen.
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Besonders angespannt bleibt die Lage auf der Krim, wie die folgenden Videos belegen, in denen Russinnen und Russen ihr Schicksal beklagen:
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