Petition fordert, den US-Botschafter in Kanada aus dem Land zu werfen


Fast 150’000 Unterschriften

Pete Hoekstra posiert am 6. Juni 2025 im US-Konsulat in Ottawa in Kanada für ein Portrait: Der Botschafter hat sich bei seinen Gastgebern offenbar unbeliebt gemacht.

AP The Canadian Press

Über 148’000 Unterzeichnende einer Petition wollen, dass Pete Hoekstra zur «persona non grata» erklärt wird: Der US-Botschafter soll Kanada verlassen. Dass der Diplomat derart viel Gegenwind bekommt, hat damit zu tun, wie Donald Trump das Nachbarland behandelt. Aber nicht nur.

Philipp Dahm

Darum geht’s

  • Eine Petition, die die Ausweisung des US-Botschafters Pete Hoekstra aus Kanada verlangt, gewinnt schnell an Zuspruch. Knapp 150’000 haben bereits unterschrieben.
  • Botschafter Hoekstra gehört zum rechten Flügel der Republikaner und war Teil des berüchtigten Project 2025.
  • Einerseits leidet Hoekstras Image unter der aggressiven Politik Donald Trumps gegenüber Kanada, andererseits hat er selbst dazu beigetragen, dass er bei seinen Gastgebern so unbeliebt ist.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Weisst du, wer die USA offiziell in der Schweiz vertritt? Es handelt sich um Callista Gringrich: Die Frau des Republikaners Newt Gringrich ist seit dem 23. Oktober 2025 im Amt.

Dass du den Namen der «erzkatholischen Millionärin» («Handelszeitung») nicht auf dem Schirm hast, ist verständlich: Wer in einem Konsulat arbeitet, soll immerhin «diplomatisch» zu Werke gehen – und nicht unbedingt im Fokus der öffentlichen Meinung stehen.

In Kanada sieht das aber ganz anders aus: Dort haben über 70’000 Menschen eine Petition unterzeichnet, die fordert, den US-Botschafter des Landes zu verweisen, berichtet die BBC am 13. August. Als kurz darauf der US-Sender ABC News nachzieht, sind es schon 104’000 Unterschriften. Und am 14. August misst die Petition schon einen Zuspruch von knapp 147’000.

Es knirscht im Verhältnis: (von links) Botschafter Pete Hoekstra, Präsident Donald Trump und der kanadische Premier Mark Carney im Juni 2025 im kanadischen Kananaskis.

Es knirscht im Verhältnis: (von links) Botschafter Pete Hoekstra, Präsident Donald Trump und der kanadische Premier Mark Carney im Juni 2025 im kanadischen Kananaskis.

.AP

Das Vorhaben will nicht nur Botschafter Hoekstra zur «persona non grata» erklären lassen und des Landes verweisen, sondern fordert auch, mit dem US-Aussenministerium über den «Widerspruch zur Wiener Konvention über diplomatische Beziehungen» zu sprechen. Dass sich die US-Diplomaten aktiv in die inneren Angelegenheiten Kanadas einmischen, müsse zudem vor einen Untersuchungsausschuss.

Pete hiess früher Cornelis Piet

Das ist mit Blick auf zwischenstaatliche Beziehungen schweres Geschütz, das die Kanadierinnen und Kanadier auffahren. Dabei wurde die Petition erst am 21. Juli gestartet und geht noch bis zum 18. November: Es dürften also noch weit mehr Unterschriften zustande kommen. Wer ist also Pete Hoekstra, der es geschafft hat, Kanada derart gegen sich aufzubringen?

Pete Hoekstra hat im November 2009 den Affordable Health Care for America Act ausdrucken lassen, um auf den Stufen des Kapitols gegen das Gesundheitsgesetz der Obama-Administration zu protestieren.

Pete Hoekstra hat im November 2009 den Affordable Health Care for America Act ausdrucken lassen, um auf den Stufen des Kapitols gegen das Gesundheitsgesetz der Obama-Administration zu protestieren.

EPA

Tatsächlich ist der Mann nicht mal gebürtiger Amerikaner: Er wird 1953 als Cornelis Piet Hoekstra in Groningen im Norden der Niederlande geboren. Zu Pete Hoekstra wird er, nachdem seine Eltern 1956 mit ihm und seinen beiden Geschwistern in die USA auswandern. Ab 1992 macht er als Politiker in Michigan Karriere. 2017 wird er Diplomat, als Donald Trump ihn zum US-Botschafter in den Niederlanden macht.

US-Botschafter Hoekstra (vorne links) radelt Ende August 2019 durch die niederländische Gemeinde Best.

US-Botschafter Hoekstra (vorne links) radelt Ende August 2019 durch die niederländische Gemeinde Best.

EPA ANP

Hoekstra gehört zum rechten Flügel seiner Partei: 2010 ist er Mitgründer des Tea Party Caucas, der heute im Freedom Caucas aufgegangen ist: Das sind Sammelbecken von Abgeordneten aus dem Repräsentantenhaus, die dieselben Ziele verfolgen. Hier geht es um christlich-reaktionäre Werte: Hoekstra hat auch am Project 2025 mitgearbeitet. Das ist der Fahrplan zum Umbau des Staates nach dem zweiten Wahlsieg von Donald Trump.

Der heute 72-Jährige ist bis Januar 2021 in den Niederlanden und übernimmt nach seiner Rückkehr nach Michigan den dortigen Vorsitz seiner Partei. Schon kurz nach seinem zweiten Wahlsieg verkündet im November 2024 Trump, er wolle Hoekstra zum Botschafter in Kanada machen. Dieses Amt tritt er am 29. April 2025 an.

Hand aufs Herz: Botschafter Hoesktra begeht am 4. Juli 2025 mit seiner Gattin Diane Johnson im kanadischen Ottawa den Nationalfeiertag der USA.

Hand aufs Herz: Botschafter Hoesktra begeht am 4. Juli 2025 mit seiner Gattin Diane Johnson im kanadischen Ottawa den Nationalfeiertag der USA.

AP The Canadian Press

«Anti-amerikanisch»: Hoekstra imitiert Trump

Wie hat es sich der Diplomat mit seinem Gastgeber so verscherzt? Man könnte glauben, dass bei Hoekstra einfach das Timing nicht stimmt: Einen Monat vor seinem Amtsantritt wird der Liberale Mark Carney Kanadas neuer Premier. Er tritt laut BBC damals an, um «den Handelskrieg zu gewinnen», den Trumps Zölle dem Nachbarn aufbürden.

Weiter leiden die bilateralen Beziehungen unter immer neuen Vorstössen des US-Präsidenten, Kanada zum 51. Bundesstaat zu machen. Das Gebaren hat spürbare Folgen: US-Waren wie Whiskey werden ebenso boykottiert wie amerikanische Tourismus-Destinationen. Wie Kanadierinnen und Kanadier über ihre Nachbarn denken, verändert sich dramatisch.

Hoekstra ist jedoch nicht das Opfer dieser Entwicklung, sondern gestaltet sie aktiv mit und verstärkt sie. Das Wahlergebnis 2025, bei dem Kanadas Konservative wegen Trumps Aussagen die Wahl verlieren und Mark Carney den Sieg davonträgt, nennt der Botschafter «anti-amerikanisch», wirft ihm zum Beispiel die Petition vor.

Das sagt Hoekstra tatsächlich im September 2025 – und auch das: «Ich bin enttäuscht, dass ich nach Kanada gekommen bin – in ein Kanada, in dem es sehr, sehr schwer ist, Kanadier zu finden, denen die amerikanisch-kanadischen Beziehungen am Herzen liegen.» Damals ist der Botschafter notabene noch keine fünf Monate im Amt.

Eingriff in Kanadas Souveränität?

Zudem beklagt die Petition, dass Hoekstra Trumps Gefasel vom 51. Bundesstaat normalisiere und die Bezeichnung auch noch als «Kosename» abtue – auch wenn der Diplomat die Wortwahl später dementiert.

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Ein weiterer Punkt der Petition: «Hoekstra hat Kanada vorgeworfen, sich in die Innenpolitik der USA einzumischen, während er selbst wiederholt in den politischen Diskurs Kanadas eingegriffen hat – was nicht mit dem diplomatischen Protokoll vereinbar ist.»

Es wird auch konkreter: Hoesktra soll indirekt das Centurion Project unterstützt haben, das eine Abspaltung des kanadischen Bundesstaates Alberta vom Rest des Landes vorantreibt.

Zudem hätten sich Vertreter des separatistischen Alberta Prosperity Projects mehrfach mit Vertreterinnen und Vertretern des Washingtoner Aussenministeriums getroffen, was «ernsthafte Fragen» über US-Eingriffe in Kanadas Souveränität aufwerfe.

Neue Töne von Hoekstra

Dass auch Hoekstra gemerkt hat, dass er den Bogen überspannt hat, suggeriert ein Interview mit dem kanadischen Sender CTV Ende Juni. Der Botschafter, der bis dato zumeist nassforsch aufgetreten ist, gibt sich im Gespräch mit Vassy Kapelos plötzlich diplomatisch, doch die Moderatorin bohrt immer wieder nach.

Hoesktra verlange, dass Kanada Trumps Worte bloss als «Rauschen» verbuchen soll, obwohl der US-Präsident das Land ins Visier nehme, sagt Kapelos. «Der Präsident nimmt Kanada nicht ins Visier», widerspricht der Botschafter. «Wir haben jedes Land der Welt mit Zöllen belegt. Wir haben nicht Kanada ins Visier genommen.»

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«Wirklich?», fragt die Journalistin und erinnert den Amerikaner an jene Zusatzzölle, die Trump dem Land wegen der Fentanylkrise auferlegt hat. Trump habe über andere Länder auch nicht so gesprochen wie über Kanada: «Ich verstehe ja, dass sie sich über die Antwort aufregen…» – «Es regt mich nicht auf. Es  stört mich nicht», kontert Hoekstra.

Kapelos legt nach: «Es wirkt so, als frustriere Sie die Idee, dass Kanada [im Zollstreit] nicht einfach nur dagelegen hat, als es geschlagen wurde.» Es dauert einen Moment, bis der Diplomat antwortet: «Kanada kann jede Antwort bekommen, die es möchte. Wir sind gewillt, Geschäfte mit Kanada zu machen. Wenn Kanada zögerlich sein will, kann es das.»

Hoekstra hat offensichtlich Kreide gefressen. Es kommt wahrscheinlich zu spät. Die Marke von 148’000 Unterschriften unter der Petition wurde in der Zeit geknackt, in der dieser Artikel geschrieben worden ist.


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