Angriff mit Fleischhammer in Oberägeri ZG
Die Zuger Polizei verhaftete den Verdächtigen nach einer Grossfahndung. 13 Monate später sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen, der mutmassliche Täter sitzt ohne Anklage in Haf (Symbolbild).
Zuger Polizei
Darum geht’s
- Ein Mann hat mutmasslich seine Frau mit einem Fleischklopfer geschlagen. Nach einer Verfolgungsjagd wurde er verhaftet.
- Seit 13 Monaten sitzt er in Haft, während die Ermittlungen weiterlaufen.
- Er und auch seine Gattin kritisieren die lange Haft ohne Anklage. Die norwegische Botschaft hat sich eingeschaltet.
Ein Norweger sitzt seit mehr als einem Jahr in der Schweiz in Haft. Ihm wird versuchter Mord an seiner Ehefrau vorgeworfen. blue News berichtete über den Fall. Nun äussert sich der Beschuldigte erstmals ausführlich zum Fall – und kritisiert die Schweizer Justiz scharf.
In der Nacht auf den 2. Juli 2025 soll der Norweger seine Ehefrau in Oberägeri ZG tätlich angegriffen und erheblich verletzt haben. Auch eines der beiden Kinder des Paars erlitt leichte Verletzungen. Der damals 41-Jährige flüchtete mit dem Auto, verunfallte im Raum Biberbrugg SZ und wurde nach einer Grossfahndung Stunden später festgenommen. blue News berichtete damals über den Fall.
13 Monate später sitzt der Mann noch immer in der Schweiz in Haft. Gegenüber dem norwegischen Sender TV2 spricht der inzwischen 43-Jährige nun erstmals ausführlich über die Tatnacht, seinen Alkohol- und Drogenkonsum – und erhebt Vorwürfe gegen die Schweizer Justiz.
«Ich habe im Prinzip täglich getrunken»
Der Norweger lebt nach eigenen Angaben seit 19 Jahren in der Schweiz und arbeitete für einen global tätigen, börsenkotierten Konzern mit Sitz in Zug. Gegenüber TV2 erzählt er von langen Arbeitstagen und einem problematischen Alkoholkonsum.
«Ich habe im Prinzip täglich getrunken», sagt er. Zudem habe er in den vergangenen Jahren gelegentlich Kokain konsumiert.
Auch in der Tatnacht stand er nach eigenen Angaben unter dem Einfluss von Alkohol und Kokain. Zudem habe er kaum gegessen und während vier oder fünf Tagen fast nicht geschlafen. An die Ereignisse könne er sich nur bruchstückhaft erinnern.
Seine Ehefrau sagt dem norwegischen Sender, ihr Mann habe sie während eines Streits mit einem Küchengegenstand geschlagen. Sie sei auf den Balkon geflüchtet, worauf Nachbarn die Polizei alarmierten. Die «Zuger Zeitung» schreibt, der mutmassliche Täter habe die Frau mit einem «Fleischhammer» verletzt.
Er gibt Gewalt zu, bestreitet aber Mordversuch
Der Norweger bestreitet den zentralen Vorwurf der Staatsanwaltschaft entschieden. Der Vorwurf des versuchten Mordes sei «lächerlich», sagt er gegenüber TV2. Auch für die leichten Verletzungen eines seiner Kinder will er nicht verantwortlich sein.
Dass er seine Frau geschlagen hat, räumt er dagegen ein. «Dass ich Gewalt gegen einen mir nahestehenden Menschen ausgeübt habe, hätte niemals passieren dürfen», sagt er. Er schäme sich dafür.
Gleichzeitig hält er die strafrechtlichen Vorwürfe für unverhältnismässig und den Fall für «völlig überproportional aufgeblasen». Er sei bereit, die Konsequenzen seines Handelns zu tragen, erkenne sich aber in der Darstellung der Vorwürfe nicht wieder.
«Meine Rechtssicherheit wird nicht gewährleistet»
Besonders scharf kritisiert der 43-Jährige seine inzwischen 13 Monate dauernde Haft. Nach seinen Angaben wurde eine Freilassung gegen Kaution wegen Fluchtgefahr abgelehnt.
Er sitze ohne Urteil und ohne Anklageschrift im Gefängnis und wisse nicht, wann sein Fall vor Gericht komme. «Meine Rechtssicherheit als norwegischer Staatsbürger wird überhaupt nicht gewährleistet», zitiert ihn der Online-Beitrag des Senderes.
Zuletzt sei er am 23. Januar zum Fall befragt worden. Seither habe er nach eigener Darstellung nichts mehr von der Staatsanwaltschaft gehört.
TV2 hat die Vorwürfe nach eigenen Angaben mehrfach den zuständigen Schweizer Behörden vorgelegt. Die Staatsanwaltschaft wollte sich unter Verweis auf Amtsgeheimnis und Persönlichkeitsschutz nicht zum Verfahren äussern. Auch der Schweizer Anwalt des Norwegers wollte keine Stellung nehmen.
Norwegische Botschaft schaltet sich ein
Mittlerweile beschäftigt der Fall auch die norwegischen Behörden. Der Beschuldigte hat sich an die norwegische Botschaft in der Schweiz gewandt.
Diese habe am 1. Juli ein Schreiben an die Schweizer Behörden geschickt und um eine zeitnahe Orientierung über den Stand des Verfahrens gebeten. Das norwegische Aussenministerium bestätigt gegenüber TV2, dass die Botschaft in Bern den Fall betreut.
Der Norweger bringt sogar eine mögliche Auslieferung nach Norwegen ins Spiel, sollte es keine zufriedenstellende Antwort der Schweizer Behörden geben.
Auch die Ehefrau fordert seine Freilassung
Bemerkenswert ist die Haltung seiner Ehefrau. Sie sagt, sie habe das Spital nach dem Vorfall bereits nach einigen Stunden wieder verlassen können. In der Polizeimeldung vom 3. Juli 2025 heisst es, sie sei erheblich verletzt gewesen.
Nur neun Tage nach der Tat bat sie die Staatsanwaltschaft schriftlich darum, ihren Ehemann aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Sie bezeichnete ihn laut dem Sender als liebevollen Vater und Ehemann und den Gewaltausbruch als isoliertes Ereignis. Die «Zuger Zeitung» weist darauf hin, dass Opfer häuslicher Gewalt nicht selten im Nachhinein den Täter in Schutz nehmen.
Die Frau kritisiert, dass ihr Mann weiterhin in Haft sitzt und die Familie aus ihrer Sicht kaum Informationen über das Verfahren erhält.
Nach vier Monaten Untersuchungshaft wurde der Norweger ins Massnahmenzentrum St. Johannsen im Kanton Bern verlegt. Dort erhielt er während mehrerer Monate eine Behandlung wegen seiner Alkoholprobleme.
Wann Anklage erhoben wird und wann der Fall vor Gericht kommt, ist derzeit offen, wie der norwegische Sender und die «Zuger Zeitung» übereinstimmend berichten.
#Adessonews seleziona nella rete articoli di particolare interesse.
Se vuoi leggere l’articolo completo clicca sul seguente link



