Streitthema Znünibox
Äpfel, Reiswaffeln, Sandwich – was dürfen die Kinder zum Znüni essen?
KEYSTONE
Darum geht’s
- Eine Lehrerin mit 40 Jahren Berufserfahrung erklärt, warum das Znüni in der Schule immer wieder zu Konflikten zwischen Eltern, Kindern und Lehrpersonen führt.
- Gesunde Znüniboxen mit Früchten, Gemüse und Vollkornprodukten helfen Kindern, sich besser zu konzentrieren und abwechslungsreich zu essen.
- Mit kreativen Ideen und spielerisch angerichtetem Gemüse oder Obst lassen sich Kinder eher für Gurke, Rüebli und andere gesunde Snacks begeistern
Welche Erfahrungen hast du mit der Znünibox gemacht? Diskutierst du jeden Morgen mit deinen Kindern? Hast du die perfekte Znünibox zusammengestellt? Oder fühlst du dich von den Schulen und Lehrpersonen bevormundet? Bist du selbst Lehrer*in und hattest schon schwierige – oder auch positive – Erlebnisse? Wir möchten deine Geschichte erzählen! Melde dich bei uns via WhatsApp oder Mail.
Es führt zu Diskussionen zwischen Eltern und Kindern, zu Wutanfällen, Neid zwischen Mitschüler*innen und schlechter Luft zwischen Eltern und Lehrpersonen: das Znüni. Was sollen die Schüler*innen essen? Was dürfen sie in die Schule mitnehmen?
Solche Flyer mit Znüni-Tipps erhalten viele Eltern vor Schulstart.
Screenshot Gesundheitsdirektion Kanton Zürich
Viele Schulen schicken den Eltern vor Schulstart mehrsprachige Info-Flyer mit Fotos zu den Znüniböxli nach Hause. Früchte, Gemüse und Hahnenwasser werden dort vor allem empfohlen, ergänzt durch Vollkornbrot, Reiswaffeln, Nüsse, Käse oder ungesüssten Joghurt.
Bananen oder Trockenfrüchte sind wegen des hohen Zuckergehalts nur ab und zu okay, Süssgetränke, fettige und süsse Snacks wie Chips oder Schokolade sind in vielen Schulen ein No-Go.
Manche Eltern fühlen sich angegriffen
Wie diese Regelungen umgesetzt werden, hängt von der jeweiligen Lehrperson ab. «Ich finde: Ein Gipfeli darf auch mal sein. Aber wenn ein Kind jeden Tag ein Gipfeli und einen Eistee zum Znüni dabei hat, dann nimmt es nur Fett und Zucker zu sich. Und das macht müde», sagt Bernadette Beerli. Sie hat 40 Jahre lang als Sonderpädagogin in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Zürich gearbeitet und in Sachen Znüni einiges miterlebt.
«Manchen Kindern habe ich das Schoggistängeli konsequent eine Woche lang wieder mit nach Hause gegeben», erzählt sie. Dabei sei es vorgekommen, dass Eltern beleidigt waren, sich angegriffen fühlten oder fanden, die Schule solle sich nicht in private Angelegenheiten einmischen.
Viele Eltern seien sich nicht bewusst, welchen Einfluss sie mit ihrem Verhalten auch auf die anderen Kinder in der Klasse haben. «Wenn die Kinder sehen, dass eine Mitschülerin oder ein Mitschüler zum Znüni Chips und Schokolade isst, dann wollen sie ihr gesundes Znüni schnell auch nicht mehr essen», erklärt Bernadette Beerli.
Eltern ignorieren die Infos der Schule
Obwohl die Eltern vorab über gesunde Snacks informiert werden, würden viele die Richtlinien einfach ignorieren oder sie gar nie lesen und ihren Kindern nur das mitgeben, was die gerne mögen: Chips, Milchschnitten, Wienerli, Gummibärchen oder eben Schoggistängeli. «Da muss man als Lehrperson manchmal ungemütlich werden und von den Eltern verlangen, etwas zu kaufen, was sie sonst nicht kaufen würden. Denn nur so lernt ein Kind, sich vielfältig zu ernähren.»

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Natürlich komme es auch auf das Kind an. Bei manchen seien sowohl Eltern als auch Lehrpersonen froh, wenn sie überhaupt etwas essen – besonders bei manchen Kindern auf dem Autismus-Spektrum. Doch auch dann sollte darauf geachtet werden, dass die Kinder nicht nur Ungesundes essen. Die Pädagogin empfiehlt, heiklen Kindern jeweils etwas mitzugeben, was sie kennen und gern essen, und daneben etwas Gesundes. «Wenn sie sehen, dass die anderen Kinder Obst oder Gemüse essen, wollen sie es irgendwann meist auch probieren.»
Was Bernadette Beerli in ihrer Laufbahn aufgefallen ist: Immer mehr Kinder sind extrem heikel beim Essen. Manche würden nicht einmal selbstgemachten Kuchen probieren wollen, weil sie den nicht kennen. Die erfahrene Pädagogin sieht dafür den Grund in der «Droge Verwöhnung»: «Viele Kinder sind zu Hause die Könige und Königinnen. Die Eltern geben nur das zu Essen, was die Kinder wollen. Viele machen sich dabei keine Gedanken, ob das gesund ist.»
Rüebli-Krokodil und Apfel-Krone
Manchmal liege es auch am schlechten Gewissen der berufstätigen Eltern, die wenig Zeit mit dem Kind haben und es dann verwöhnen wollen. Manche Eltern hatten selbst wenig, als sie aufgewachsen sind, und sind jetzt froh, dass sie ihre Kinder ernähren und ihnen geben können, was sie sich wünschen. Dahinter stehe ein positiver Gedanke. «Die Eltern wollen das Beste für ihr Kind. Aber das ist nicht das Beste für sie.»
Wenn dann eine Lehrperson kommt und das Verhalten der Eltern kritisiert, könne das zu Spannungen führen. Bernadette Beerli versucht es deshalb so oft wie möglich nicht mit Verboten und Belehrungen. Stattdessen gibt sie den Eltern Anregungen und kreative Ideen mit auf den Weg – zum Beispiel einen Gemüse- und Früchte-Schnitzkurs am ersten Elternabend.
Auf ein Rüebli oder einen Apfel hat das Kind vielleicht keine Lust. Aber bei einem Rüebli-Krokodil oder einer Apfel-Krone sieht es schon ganz anders aus. «Man muss Anreize schaffen für die Kinder», sagt Bernadette Beerli.
Solche Kurse und Ideen bringen auch bei den Eltern mehr als Verbote. «Wenn man die Eltern darauf bringt, fangen sie oft von sich aus an, die Znüniboxen kreativer zu gestalten.» Aus Crackern und einem gesunden Aufstrich werden dann mit einem Tomätli und einem Stück Gurke Gesichter. Und aus Gemüse und Früchten lassen sich mit Guetzli-Ausstechern lustige Formen zaubern. Bernadette Beerli regte die Eltern auch dazu an, in den sozialen Medien nach weiterer Inspiration zu suchen. «Dort findet man sehr viele Ideen für coole, gesunde Znüni.»
Man solle den Kindern immer mal wieder etwas Neues zum Probieren anbieten. «Dann finden sie auch etwas, das sie gern haben.» Das ist wichtig, denn die Pädagogin betont: «Kinder können sich in der Schule viel besser konzentrieren, wenn sie etwas Gutes gegessen haben.»
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