Vom «kranken Welpen» zum Kumpel
Am 30. Juni 2019 reiste Trump in die demilitarisierte Zone zwischen den beiden Koreas und war damit der erste US-Präsident, der Fuss auf Nordkoreas Boden setzt.
AP
Darum geht’s
- Donald Trump sorgt aktuell für Furore, weil er ein Manöver mit Südkorea aus Rücksicht auf Nordkorea unterminiert.
- «Wunderschöne Briefe»: Trumps persönliche Beziehung zu Kim Jong-un begann zunächst mit Drohungen, bevor sich die beiden zwischen 2018 und 2019 anfreundeten.
- In Trumps zweiter Amtszeit stand Nordkorea öffentlich nicht auf der Agenda. Umso überraschender ist der jetzige Kurswechsel des Weissen Hauses.
Donald Trump zeigt mal wieder, was für einen engen Draht er zu Kim Jong-un hat: Um den Diktator nicht zu erzürnen, distanziert sich der 80-Jährige von dem Sommermanöver, das die USA stets mit Südkorea abhalten.
Grund genug, sich die Geschichte ihrer On-off-Beziehung noch einmal zu vergegenwärtigen. Ihr Liebestheater hat drei Akte:
Die Krise zwischen 2017 und 2018
Aller Anfang ist schwer: Als sich Donald Trump und Kim Jong-un 2017 erstmals «bei der Arbeit» begegnen, kracht es im Gebälk. Das Drama beginnt am 5. April 2017, als Pjöngjang eine ballistische Rakete mittlerer Reichweite testet. Vier Tage später entsenden die USA die Trägerkampfgruppe der USS Carl Vinson nach Asien.
«Wir schicken eine Armada», tönt Trump am 18. April 2017 in Richtung Nordkorea. Dabei ist die USS Carl Vinson tatsächlich auf dem Weg zu einem Manöver mit der australischen Marine im Indischen Ozean, das in 5600 Kilometern Entfernung zur koreanischen Halbinsel stattfindet. Damit beginnt «eine von Pannen geprägte Abfolge von Ereignissen», schreibt die «New York Times».
Südkoreanische Medien berichten am 10. August 2017 über Spannungen zwischen den USA und Nordkorea wegen geplanter US-Manöver mit Südkorea.
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Pjöngjang warnt die USA bei den Vereinten Nationen: Die Verlegung des Flugzeugträgers könne «eine gefährliche Situation erzeugen, in der jeden Moment ein thermonuklearer Krieg ausbrechen könnte». Die staatliche Presse legt nach, Nordkorea könne «einen atomgetriebenen Flugzeugträger mit einem einzigen Schlag» vernichten.
Im Juli und August 2017 testet Kim Jong-un erneut Raketen. Donald Trump erklärt im September vor den Vereinten Nationen, die USA würden «Nordkorea total zerstören», wenn der «Raketen-Mann» Kim Jong-un seine «Selbstmord-Mission» fortführe. Im November gibt es schon wieder einen Interkontinentalraketen-Test: Trump nennt Jong-un «kranker Welpen».
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Die Zeit der Entspannung 2018 bis 2019
Auf die Olympischen Winterspiele im Februar in Pyeongchang in Südkorea folgt eine Zeit der diplomatischen Entspannung zwischen den beiden Koreas: Am 27. April 2018 gibt es ein Gipfeltreffen zwischen den Staatslenkern Kim Jong-un und Moon Jae-In.
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Schon im März 2018 bekundet plötzlich auch Donald Trump, dass er Kim Jong-un treffen will. Am 24. Mai rudert er zurück und sagt wegen der «enormen Wut und offenen Feindseligkeit» aus Nordkorea wieder ab, bevor er am 1. Juni den Rückzug vom Rückzug bekanntgibt: Am 12. Juni schütteln sich die beiden die Hände in Singapur.
Donald Trump trifft in Singapur am 12. Juni 2018 erstmals Kim Jong-un.
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Es scheint Liebe auf den ersten Blick zu sein: Trump und Kim Jong-un einigen sich in einigen Punkten. Die koreanische Halbinsel solle atomwaffenfrei sein, die Leichen von US-Soldaten aus dem Koreakrieg sollten zurückgeführt werden und weitere Gespräche anlaufen. Das Weisse Haus verspricht, «provokative» Manöver mit Südkorea zu unterlassen.
Eine Periode der Entspannung beginnt: Im Februar 2019 treffen sich Trump und Kim Jong-un erneut. Nur zwei Monate später schreibt der US-Präsident, ein drittes Treffen werde angestrebt. Am 12. Juni berichtet er von einem «wunderschönen» Brief, den der Diktator ihm geschrieben habe. Am 30. Juni steigt der nächste Gipfel auf der Halbinsel im Beisein von Moon Jae-in.
Funkstille unter Biden, bis Trump eingreift
Noch am Ende von Trumps erster Amtszeit im Mai 2020 wird klar, dass die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel ins Wasser fällt, weil Kim Jong-un daran doch kein Interesse hat. Im Oktober 2021 wirft Pjöngjang der Administration von Joe Biden Feindseligkeiten vor und rüstet weiter auf. Im März 2022 wird eine neue Interkontinentalrakete getestet. Die USA reagieren mit neuen Südkorea-Manövern.
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Am 20. Januar 2025 übernimmt erneut Donald Trump das Ruder in Washington. Zunächst provoziert Pjöngjang noch mit dem Test eines taktischen Marschflugkörpers am 26. Februar. Im Juli schlägt Kim Jong-un jedoch schon wieder versöhnliche Töne an: Bilaterale Gespräche seien möglich, wenn die USA akzeptierten, dass Nordkorea eine Atommacht ist.
Es zeigt sich, dass Trump offenbar viel Kredit auf der Halbinsel hat: Die «New York Times» berichtet im September 2025, eine US-Spezialeinheit habe 2019 erfolglos versucht, Abhörgeräte in Nordkorea zu installieren. Im Juni 2026 wird zudem ein grösserer Waffenverkauf an Südkorea öffentlich. Pjöngjang äussert zwar Kritik, hält sich aber mit Drohungen zurück.
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Raketen testet Pjöngjang weiterhin regelmässig – und beharrt auf seiner Atommacht: Im Juni 2026 fordert Kim Jong Un einen drastischen Ausbau der Nuklearstreitkräfte. Die Schwester Kim Yo Jong doppelt laut staatlicher Nachrichtenagentur KCNA nach: Der Status als Nuklearwaffenstaat sei eine «unumkehrbare Realität – unabhängig davon, ob andere ihn anerkennen oder nicht».
Unter diesen Vorzeichen soll am 17. August das gemeinsame Manöver «Ulchi Freedom Shield» mit etwa 18’000 südkoreanischen Soldaten und US-Streitkräften beginnen. Und was macht Donald Trump? Er sieht darüber hinweg, dass Nordkorea Russland im Ukraine-Krieg massiv unterstützt – und postet am 15. August ein Bild von Kim Jong-un und sich.

Harter Blick, weicher Kern: Trump mit Kim Jong-un.
Truth Social/@realDonaldTrump
«Auch wenn wir auf diesem speziellen Foto etwas unfreundlich gucken, gibt es viele, auf denen wir lächeln – Kim Jong Un und ich verstehen uns super», schreibt der 80-Jährige dazu. Nur einen Tag später schreibt er auf Truth Social, er sei «wegen meiner sehr guten Beziehung» zu dem Diktator unglücklich über das geplante Manöver.
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Die Übung sei nicht nur teuer, sondern sende auch ein Signal, das «total unangebracht und peinlich» sei, weil Nordkorea ihm gegenüber stets «nicht bedrohlich und respektvoll» gewesen sei. Er habe angewiesen, den US-Beitrag zum Manöver klein zu halten, weil es für eine Absage nun zu spät sei.
Kim Jong-un gefällt das.
Propaganda-Video aus Nordkorea: Bizarre Show der Elite-Soldaten für Diktator Kim Jong Un
Ziegelsteine werden zerhauen und Nägel von Hand eingeschlagen. Nordkorea veröffentlicht Videoaufnahmen von Elitesoldaten, die Diktator Kim Jong Un mit Showeinlagen unterhalten.
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