Darum geht’s
- Donald Trump will die amerikanische Marine mit 15 neuen Schlachtschiffen massiv aufrüsten – die geschätzten Kosten liegen bei 275 Milliarden Dollar.
- Der US-Präsident greift auch persönlich ins Design künftiger Flugzeugträger ein, damit diese stärker an Kriegsschiffe aus dem Zweiten Weltkrieg erinnern.
- Amerikas Werften kämpfen bereits mit jahrelangen Verzögerungen, explodierenden Kosten und gescheiterten Projekten – deshalb ist fraglich, ob Trumps Pläne aufgehen.
Grösser. Schneller. Mächtiger. Seit dem zweiten Amtsantritt von Donald Trump entwickelt sich vieles in der US-Administration nur in eine Richtung. Mehr soll es sein, gerne auch grösser. Die ganze Welt soll sehen, dass die Amerikaner die Weltmacht sind. Zumindest, wenn es nach dem US-Präsidenten geht.
Nun nimmt die Regierung das nächste Ziel ins Visier: Trump hat die Erneuerung der amerikanischen Marine zu einem seiner grossen Prestigeprojekte gemacht. Unter dem Namen «Golden Fleet» plant Trump eine Flotte, die jene aller anderen Staaten überragen soll. Und der US-Präsident redet dabei gerne auch selbst mit.
Trump will Schiffe wie aus dem 2. Weltkrieg
Trump gefällt nämlich nicht, wie moderne amerikanische Flugzeugträger aussehen. Der mehrstöckige Kommandoturm steht bei den Schiffen der neuen Ford-Klasse weit hinten. Der US-Präsident hätte ihn lieber weiter vorne – ähnlich wie bei älteren Kriegsschiffen.
Die US-Marine prüft deshalb eine grundlegende Änderung des Designs, wie die «Washington Post» unter Berufung auf sieben aktuelle und frühere Regierungsvertreter berichtet. Trump will demnach, dass die neuen Flugzeugträger stärker an die mächtigen Schiffe aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs erinnern.
Das Problem: Die Position des Turms wurde nicht aus ästhetischen Gründen gewählt. Sie schafft mehr Platz für Kampfjets, beschleunigt deren Start und reduziert Turbulenzen bei der Landung. Eine Verlegung würde die Gewichtsverteilung und zahlreiche technische Systeme betreffen. Sie könnte Milliarden kosten und den Bau der Schiffe um Jahre verzögern.
Doch Trumps Eingriff ins Design ist kein isolierter Spleen. Er ist Teil eines viel grösseren Vorhabens: Der Präsident will die amerikanische Marine grundlegend umbauen und ihr seinen persönlichen Stempel aufdrücken.
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Im Mittelpunkt stehen mögliche neue atomgetriebene Schlachtschiffe der nach Trump benannten Klasse. Das erste soll den Namen «USS Defiant» tragen. Im langfristigen Schiffbauplan der US-Marine sind bislang 15 dieser Schlachtschiffe vorgesehen. Trump selbst stellte zeitweise sogar 20 bis 25 Exemplare in Aussicht.
15 Schiffe sollen 275 Milliarden kosten
Die Dimensionen der Trump’schen Schlachtschiffe sind gewaltig. Laut dem australischen «Naval Institute» sollen die bis zu 268 Meter langen Schiffe 35’000 Tonnen verdrängen können. Zum Vergleich: Das grösste Schiff der Zürcher Schifffahrtsgesellschaften, die MS Helvetia, erreicht gerade mal eine Verdrängung von rund 275 Tonnen.
Die neuen Schiffe sollen zudem eine Geschwindigkeit von über 30 Knoten, also rund 55 km/h, erreichen. Geplant sind an Bord unter anderem Hyperschallraketen, Marschflugkörper, Flugabwehrraketen, Laserwaffen und möglicherweise nuklear bestückte Marschflugkörper.
Damit wären es die grössten amerikanischen Überwasser-Kampfschiffe seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Regierung bewirbt sie als schwimmende Waffenarsenale, die Ziele an Land, auf See und in der Luft bekämpfen können.
Der Preis ist entsprechend hoch. Das parteiunabhängige Congressional Budget Office schätzt die Kosten für 15 Schiffe auf insgesamt rund 275 Milliarden Dollar. Das erste Exemplar könnte demnach etwa 23,4 Milliarden Dollar kosten, jedes weitere durchschnittlich rund 18 Milliarden. Zum Vergleich: Ein aktuelles Ford-Kriegsschiff kostet rund 13 Milliarden. Trumps Schlachtschiffe würden damit zu den teuersten Waffensystemen der Welt gehören.
Wettstreit mit China
Hinter den Plänen stehen zunächst strategische Überlegungen. China hat seine Marine in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut und verfügt inzwischen über die grösste Flotte der Welt. Peking operiert mit rund 1000 Armee-Booten, davon rund 370 Kampfschiffen und U-Booten. Die USA dagegen operieren derzeit mit knapp über 500 Booten, davon rund 290 Kampfschiffen und U-Booten. Die USA wollen ihre militärische Präsenz im Pazifik sichern, Handelswege schützen und Peking davon abhalten, Taiwan militärisch anzugreifen. Und: Sie wollen die grösste Flotte der Welt. Dafür müssen sie nun massiv aufrüsten.
Trump sieht in den Kriegsschiffen vor allem Vorteile: Ein grosses Schlachtschiff kann zahlreiche Raketen und andere Waffensysteme aufnehmen. Es könnte weit entfernte Ziele angreifen und kleinere Einheiten innerhalb eines Flottenverbands unterstützen. Der atomare Antrieb erlaubt zudem lange Einsätze ohne regelmässiges Auftanken.
Trump vor der Visualisierung eines Schiffs, welches nach ihm benannt wurde.
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Doch Trumps Flottenpläne sind ebenso ein politisches und persönliches Projekt. Er verspricht, die amerikanische Schiffbauindustrie wiederzubeleben, Arbeitsplätze zu schaffen und die globale Vormachtstellung der USA sichtbar zu machen. Die Schiffe sollen nicht nur stark sein – sie sollen auch stark aussehen. Der amerikanische Marineminister John Phelan kündigte bereits das «grösste, tödlichste, vielseitigste und am besten aussehende Kriegsschiff» an.
Dass Trumps Regierung fast ausschliesslich auf grosse Mega-Schlachtschiffe setzt, sorgt für Kritik. Moderne Seekriegsführung setzt zunehmend auf kleinere, vernetzte und teilweise unbemannte Systeme. Ein einzelnes Mega-Schiff bündelt dagegen Waffen, Personal und Milliardeninvestitionen auf einem grossen Ziel. Es benötigt zudem Begleitschiffe, U-Boote, Versorgungseinheiten und Flugabwehr, um geschützt operieren zu können.
Trump lässt sich von dieser Kritik nicht beirren und erteilt munter weiter Anweisungen. Geht es nach ihm, sollen auf den Flugzeugträgern künftig wieder dampfbetriebene Katapulte eingesetzt werden. Heute verwendet die Ford-Klasse eine elektromagnetische Version, um Kampfjets auf den Flugdecks zu beschleunigen. Trump kritisiert diese Technik seit Jahren, er hält Dampfkatapulte für zuverlässiger.

Eine Rückkehr wäre jedoch äusserst aufwendig und würde Milliarden kosten. Denn die neu gebauten Schiffe wurden speziell um das elektromagnetische System herum konstruiert.
Der ehemalige Marine-Stratege Hunter Stires kritisiert Trumps Einfluss deutlich. Kriegsschiffe würden gebaut, um Kämpfe zu gewinnen – nicht um einen Schönheitswettbewerb für sich zu entscheiden, sagte er gegenüber «The Hill».
Amerikanische Industrie ist überfordert
Wie gross die Schwierigkeiten der USA bereits sind, zeigt Trumps Öffnung gegenüber ausländischen Schiffbauern. Ein neues Memorandum erlaubt der Regierung grundsätzlich, kurzfristig Schiffe und Komponenten bei ausländischen Lieferanten einzukaufen.
Zwar hat Trump bislang keine Aufträge zum Schiffbau ins Ausland gegeben. Der Schritt ist trotzdem bemerkenswert. Marineschiffe müssen grundsätzlich in den USA gebaut werden. Ausnahmen sind nur möglich, wenn der Präsident sie aus Gründen der nationalen Sicherheit zulässt.
Dass Trump diese Möglichkeit öffnet, widerspricht seinem Versprechen, die amerikanische Industrie zu stärken. Es zeigt aber auch, wie dringend die USA zusätzliche Kapazitäten benötigen.
Denn die amerikanische Schiffbauindustrie ist bereits mit den heutigen Aufträgen überfordert. Der US-Rechnungshof GAO kommt in einem aktuellen Bericht zu einem ernüchternden Ergebnis: Seit rund 20 Jahren verfehlt die Marine regelmässig ihre Kosten- und Terminziele.
Neue Zerstörer werden je nach Schiff 22 bis 58 Monate später geliefert als ursprünglich vereinbart. Bei U-Booten der Virginia-Klasse strebt die Marine zwei neue Exemplare pro Jahr an. Tatsächlich liefern die Werften derzeit etwa eines. Zwei 2025 fertiggestellte U-Boote kamen jeweils mehr als drei Jahre zu spät. Keine der sieben untersuchten grossen Werften, so der US-Rechnungshof, sei derzeit in der Lage, sämtliche vereinbarten Lieferziele einzuhalten.
Bei der Produktion neuer U-Boote, hier die «USS Ohio», kommen die USA nicht hinterher.
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Andere Projekte sind mehrheitlich oder ganz gescheitert. So musste die Marine etwa vier von sechs bestellten Fregatten der Constellation-Klasse streichen, da diese bis zur Auslieferung bereits wieder völlig veraltet gewesen wären. Zuvor hatte die Marine bereits mehr als 20 kleinere Kampfschiffe aus ihrer Planung genommen und mehrere bestehende Einheiten vorzeitig ausgemustert.
Probleme gibt es nicht nur beim Bau, sondern auch beim Betrieb der bestehenden Flotte. Das zeigt die USS «Abraham Lincoln», die seit Monaten im Arabischen Meer im Einsatz steht.
Angehörige berichteten zuletzt von verschimmelten Duschen, kaputten Toiletten, fehlendem Warmwasser und teilweise stark rationierten Mahlzeiten. Nach mutmasslichen Suizidversuchen schlugen Familien bei der Marineführung Alarm.
Bleibt die Frage: Kann Trump seine «Golden Fleet» tatsächlich verwirklichen? Grundsätzlich verfügt das Pentagon nach Ansicht der Fachleute über genügend Wissen und auch die finanziellen Mittel.
«Goldene Flotte» bleibt wohl Vision
Dennoch muss die Regierung rund um Trump einige Hürden beseitigen. Die Milliarden müssen noch durch den Kongress und dort abgesegnet werden. Danach müssten Werften ihre Kapazitäten erweitern, Fachkräfte ausbilden und Liefertketten stabilisieren. Gleichzeitig müssen die bisherigen Projekte fertiggestellt werden.
Der in den vergangenen Jahren verabschiedete Flottenplan der US-Regierung reicht zudem bis ins Jahr 2056. Selbst wenn Trump diesen mithilfe des Kongresses auf den Kopf stellt, wird er die Vollendung seiner «Goldenen Flotte» kaum mehr erleben. Trump wäre dann bereits 110 Jahre alt.
So bleibt die «Golden Fleet» vorerst vor allem eine gewaltige politische Vision. An Trumps Willen mangelt es nicht. Ob Amerika die dafür nötigen Schiffe tatsächlich bauen, bemannen und unterhalten kann, ist dagegen völlig offen und darf, zumindest Stand heute, bezweifelt werden.
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