Der Katholische Familienverband Südtirol zieht zur Halbzeit seines Jubiläumsjahres Bilanz – und richtet den Blick entschlossen nach vorn. Mit „Realoptimismus“, ehrenamtlichem Engagement und drei klaren Schwerpunkten will der KFS Familien fit für die Zukunft machen.
60 Jahre Erfahrung sind für den Katholischen Familienverband Südtirol (KFS) kein Grund, sich auf Erreichtem auszuruhen. Im Gegenteil: Das Jubiläum versteht der Verband als Auftrag, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Beim Sommer-Pressegespräch zog KFS-Präsidentin Sieglinde Aberham Bilanz über die ersten 14 Monate ihrer Amtszeit und präsentierte zugleich die inhaltlichen Schwerpunkte für 2027.
„60 Jahre Erfahrung sind kein Grund, stehen zu bleiben. Sie sind Auftrag und Ermutigung, den Blick nach vorne zu richten“, betonte Aberham. Im Zentrum steht dabei eine Frage, die Familien heute mehr denn je beschäftigt: Was brauchen Familien – und welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, damit Familien auch morgen gut leben können? Die Antwort des KFS fällt selbstbewusst aus: Nicht nur fordern, sondern selbst gestalten – von Familien für Familien.
Familienleben hat sich verändert. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Kinderbetreuung, Digitalisierung, gesellschaftliche Vielfalt und finanzielle Belastungen stellen Familien vor neue Herausforderungen. Der KFS will diese Entwicklungen weder beschönigen noch dramatisieren. Präsidentin Aberham spricht von „Realoptimismus“: Probleme sollen klar benannt, zugleich aber Chancen und konkrete Lösungen in den Mittelpunkt gerückt werden. „Wir schaffen es – und zwar mit Realoptimismus“, so Aberham.
Dahinter steht ein Familienbild, das über familienpolitische Forderungen hinausgeht. Familie sei ein Ort von Beziehung, Zugehörigkeit, Verantwortung, Hoffnung und Sinn. Die Botschaft des Jubiläumsjahres ist entsprechend klar: Nicht weniger Familie, sondern mehr Lust auf Familie. Nicht Angst vor Veränderung, sondern Mut zur Gestaltung. Nicht jeder für sich, sondern gemeinsam.
Auch das „K“ im Namen ist für den Verband Zukunftsprogramm. KFS-Vizepräsident Julian Stuefer verweist auf ein Wertefundament, das Menschenwürde, Nächstenliebe, Solidarität, Verantwortung, Gemeinschaft, Respekt und Hoffnung umfasst. Diese Werte versteht der Verband nicht als nostalgischen Rückblick, sondern als Orientierung für kommende Herausforderungen. Katholisch zu sein bedeute dabei nicht, auf jede gesellschaftliche Frage eine fertige Antwort zu haben. Vielmehr gehe es darum, Verantwortung zu übernehmen, die Würde jedes Menschen ernst zu nehmen und sich für eine Gesellschaft einzusetzen, in der Menschen füreinander da sind.
Ein Perspektivwechsel steht dabei besonders im Mittelpunkt: Familien sollen nicht nur Empfänger politischer Maßnahmen sein, sondern selbst zu Gestaltern werden. Damit richtet der KFS den Blick nicht ausschließlich auf die Politik, sondern auch auf die eigene Verantwortung. Was können wir selbst beitragen? Wie können wir neue Wege ausprobieren und Gewohnheiten hinterfragen? Ob Ganzjahreskindergarten, bessere Verzahnung von Bildung und Betreuung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder neue Formen des Zusammenlebens in den Gemeinden – der KFS will diese Fragen offen diskutieren und selbst Impulse setzen.
Dass gesellschaftliche Gestaltung nicht nur auf politischer Ebene stattfindet, zeigt der KFS mit seinem Ehrenamt. Mehr als 1.000 Menschen engagieren sich im Verband – bei Elterntreffs, Spielgruppen und Familienfesten ebenso wie bei Bildungsangeboten, in der Nachmittagsbetreuung, bei Sommerprojekten oder als Schülerlotsinnen und Schülerlotsen. Für KFS-Geschäftsleiterin Samantha Endrizzi ist dieses Engagement gelebte Solidarität. Ehrenamt bedeute Verantwortung füreinander und konkrete Mitgestaltung der Gesellschaft. Zugleich verbindet es Generationen: Menschen, die seit Jahrzehnten Verantwortung übernehmen, treffen auf junge Menschen, die selbst aktiv werden wollen.
Gerade die KFS-Sommerprojekte machen diesen Gedanken sichtbar. Rund 3.000 Kinder und Jugendliche nehmen 2026 daran teil, begleitet von rund 100 Betreuerinnen und Betreuern. Für den KFS sind diese Angebote weit mehr als Ferienbetreuung. Kinder erleben Gemeinschaft und sammeln neue Erfahrungen, während Jugendliche Verantwortung übernehmen und erfahren, dass gesellschaftliches Miteinander vom eigenen Beitrag lebt.
Für 2027 setzt der KFS drei klare Schwerpunkte. Das erste Thema sind neue Mitbürgerinnen und Mitbürger. Südtirols Gemeinden werden vielfältiger. Menschen kommen aus anderen Regionen und Ländern und bringen unterschiedliche Erfahrungen und Wurzeln mit. KFS-Vizepräsidentin Angelika Mitterrutzner brachte diese Entwicklung mit einem persönlichen Satz auf den Punkt: „Ich fühle mich als Südtirolerin mit anderen Wurzeln!“ Der KFS will seine Angebote und Netzwerke stärker öffnen und Räume für Begegnung und Zugehörigkeit schaffen. Integration versteht der Verband dabei als keine Einbahnstraße: Offenheit müsse mit Verbindlichkeit einhergehen, Zugehörigkeit mit der Bereitschaft, Verantwortung für das Gemeinsame zu übernehmen.
Der zweite Schwerpunkt gilt den digitalen Medien. Die Frage lautet längst nicht mehr, ob digitale Medien Teil des Familienlebens sind, sondern wie Familien damit umgehen. Der KFS will Eltern und Kinder dabei unterstützen, Medienkompetenz aufzubauen, sinnvolle Regeln zu entwickeln und digitale Möglichkeiten zu nutzen, ohne dass Smartphones, soziale Medien und andere digitale Angebote das Familienleben bestimmen.
Als drittes Thema rückt die Finanzbildung in den Mittelpunkt. Der Umgang mit Geld soll nach Ansicht des KFS stärker als grundlegende Lebenskompetenz verstanden werden. Finanzbildung beginnt demnach nicht erst im Erwachsenenalter. Kinder und Jugendliche sollen ebenso wie Erwachsene lernen, finanzielle Entscheidungen bewusst zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und Selbstständigkeit zu entwickeln.
Ein weiteres Zukunftsthema bleibt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der KFS ist selbst als familienfreundliches Unternehmen auditiert und engagiert sich im entsprechenden Audit-Rat. Gleichzeitig fordert der Verband mehr Sichtbarkeit und Unterstützung auch für kleine und mittlere Unternehmen, die familienfreundliche Arbeitsbedingungen schaffen. Familienfreundlichkeit dürfe nicht bei guten Absichten enden. Es brauche Strukturen, die Erwerbsarbeit und Familienleben tatsächlich miteinander vereinbar machen. Dafür sei auch der Mut notwendig, bestehende Modelle neu zu denken.
Die zentrale Frage lautet für den KFS deshalb: „Wie wollen wir leben?“ Wie viel Zeit wollen Eltern mit ihren Kindern verbringen? Wie lassen sich berufliche und familiäre Verantwortung verbinden? Und welche Rahmenbedingungen braucht es dafür? Diese Diskussion will der KFS offen, lösungsorientiert und ohne ideologische Scheuklappen führen.
Hinter all diesen Themen steht ein grundlegender Gedanke des KFS: Menschen wollen nicht nur funktionieren. Sie wollen dazugehören, gebraucht werden, Verantwortung übernehmen und erleben, dass ihr Leben wertvoll ist. Familie kann ein Ort sein, an dem genau diese Erfahrungen entstehen. Beziehungen, Zugehörigkeit und Verantwortung werden dort konkret gelebt. Deshalb will der KFS im Jubiläumsjahr nicht ausschließlich über Belastungen und Probleme sprechen, sondern bewusst eine positive Botschaft vermitteln: Lust auf Familie.
Nach sechs Jahrzehnten soll der Blick daher nicht zurück, sondern nach vorne gehen. Der KFS will seine Erfahrung nutzen, um Veränderung mitzugestalten – getragen von der Überzeugung, dass Zukunft dort entsteht, wo Menschen Verantwortung übernehmen und gemeinsam handeln.
60 Jahre KFS. Heute aktiv. Morgen gestalten. Von Familien für Familien. Wir. Familie. Zukunft. Nicht nur fordern. Selbst beitragen.
Im Bild von links: Angelika Mitterrutzner, Sieglinde Aberham, Julian Stuefer und Samantha Endrizzi/© KFS/Unterhofer
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