«Angst» nach Verhaftung
ICE-Agentinnen und -Agenten patrouillieren derzeit vermehrt an Flughäfen, wie hier Ende März am LaGuardia Airport in New York City.
EPA
Darum geht’s
- Die «New York Times» beschreibt das Schicksal der Eheleute Brent Jindra und Galina Bobreneva: Die Russin wird im Juli am Flughafen von Burbank, Kalifornien, von ICE verhaftet.
- Bobreneva ist 2021 als Touristin in die USA gekommen. Im April 2026 stellt das Paar einen Antrag, der Ehefrau eine Green Card ausstellen zu lassen. Der Antrag wird akzeptiert.
- Unter der Trump-Regierung gilt sie dennoch als eine illegal Eingewanderte. Ihr amerikanischer Ehemann, der Trump-Wähler war, ist entsetzt.
Brent Jindra ist Maga-Anhänger. Zumindest bis zum Juli. Der Computer-Verkäufer aus Redwood City in Kalifornien hat dreimal für Donald Trump abgestimmt. Vor allem seine Politik gegenüber Eingewanderten gefällt dem 48-Jährigen.
Und dann verliebt sich Jindra ausgerechnet in eine Ausländern. Galina Bobreneva kommt Ende 2021 mit einem Touristenvisum aus Russland in die USA, berichtet die «New York Times». Sie lässt es zweimal verlängern, bevor sie 2022 nach Moskaus Überfall auf die Ukraine Asyl beantragt.
Im März 2025 lernt Galina Bobreneva Brent Jindra kennen und lieben. Neun Monate später heiratet das Paar. «Es war eine Romanze wie aus dem Bilderbuch», erinnert sich Brent Jindra. Im April 2026 stellt er den Antrag auf eine Green Card für seine Gattin. Der Antrag wird angenommen. Die Behörden nehmen Fingerabdrücke von Galina Bobreneva.
Galina glaubt zunächst an Missverständnis
Das Paar ist glücklich und denkt an nichts Böses. Sie kaufen in Cleveland im Bundesstaat Ohio, wo Brent Jindra aufgewachsen ist, ein «Traumhaus». Der Umzug steht bevor, als die beiden etwas Besonderes zum 16. Juli planen: Es ist Galina Bobrenevas 40. Geburtstag. Die Eheleute buchen ein Zimmer in einem Boutique-Hotel in Sonoma County in Kalifornien sowie einen Chauffeur, der sie zu drei Weinbergen fahren soll.
Doch in ihrem Ferienort kommt das Duo niemals an. Die beiden fliegen am 13. Juli von San Francisco nach Burbank, als das Unglück seinen Lauf nimmt. «Herzlichen Glückwunsch, Sie wurden für eine zweite Sicherheitskontrolle ausgewählt», spricht ein Mann mit einem braunen Kapuzenpullover das Paar am Flughafen an.
Es handelt sich um einen Agenten der Einwanderungsbehörde ICE. Er führt Galina Bobreneva ab, während ihr Mann mit der Flughafenpolizei zurückbleibt. «Ich mache nur meinen Job», sagt der ICE-Agent der Russin. «Alles wird okay sein.» Er befragt die Frau 15 Minuten, bevor er ihr eröffnet, dass ihr Visum abgelaufen ist.
«Ich war mir absolut sicher, dass es ein Missverständnis ist», erzählt Bobreneva im Gespräch mit der «New York Times«. Doch dem ist nicht so: Sie wird in Handschellen in einen nicht-markierten SUV gesteckt und weggebracht. «Ein US-Bürger hat gerade mit ansehen müssen, wie seine Frau weggezerrt wurde, und hatte keine Ahnung, wohin sie gebracht wird», erinnert sich ihr Mann an die Szene.
«Ich fühlte mich wie ein Stück Fleisch»
Zwei Männer bringen Galina Bobreneva in eine ICE-Anlage, wo sie zusammen mit einer Handvoll Frauen in einen kalten Raum gesperrt wird. Eine ausgemergelte, an Diabetes leidende Einwanderin in den Siebzigern fleht vergeblich um Insulin, berichtet Bobreneva. Nach etwa 18 Stunden wird die Russin in einem stickigen Wagen in die ICE-Anstalt in Adelanto in Kalifornien gebracht.
Dort stösst die Russin auf «Vernachlässigung, Schmutz und Menschen in verzweifelter Lage», so die «New York Times». Für 120 Frauen gibt es sieben Duschen, von denen vier funktionieren. An Schlaf ist kaum zu denken: Das Licht ist immer an, die Funkgeräte der Wärterinnen und Wärter knistern stets und über Lautsprecher werden Befehle gebellt.
«Ich fühlte mich wie ein Stück Fleisch, nicht wie ein Mensch», sagt Bobreneva. An ihrem Geburtstag teilt sie sich ein bisschen Schokolade mit russischsprachigen Frauen aus Belarus, der Ukraine und ihrer alten Heimat. «Du wirst zu einer Nummer», fährt sie fort. «Es gibt null Empathie.»
ICE-Agent zieht Waffe gegen Autolenkerin
Ein ICE-Agent zieht seine Waffe gegen Carolina Molina, die am 12. August 2026 mit ihrem Auto durch Bailey’s Crossroads in Virginia fährt: Sie habe ihn überfahren wollen, behauptet der Mann, der gefilmt wird.
Die GEO Group, die die Einrichtung betreut, widerspricht der Darstellung: «Jede Behauptung, dass in der ICE-Aufnahmeeinrichtung in Adelanto unzumutbare Bedingungen herrschen, ist falsch», zitiert die «New York Times» sie. «Alle Inhaftierten erhalten angemessene Mahlzeiten, Wasser und medizinische Versorgung und haben die Möglichkeit, mit ihren Familienangehörigen und Anwälten zu kommunizieren.»
«Sie ist nicht durch einen Fluss geschwommen»
Es dauert 16 Tage, bis Bobreneva gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von 35’000 Dollar wieder freigelassen wird. Sie bekommt eine Fussfessel. Das Heimatschutzministerium betont, sie sei «eine illegale Ausländerin, die unter Verstoss gegen die Gesetze unseres Landes zu lange geblieben» sei: «Um es klar zu sagen: Eine Arbeitserlaubnis oder ein laufendes Antragsverfahren verleihen keinen legalen Status.»
ICE-Agenten zerren Frau aus ihrem Auto
Am 13. Januar 2026 ziehen Beamte der Einwanderungspolizei ICE eine Frau in Minneapolis, Minnesota, aus ihrem Wagen und verhaften Aliya Rahman.
Das war unter der Vorgängerregierung anders. Bobrenevas Mann versteht die Welt nicht mehr: «Sie ist nicht über eine Mauer gesprungen, sie ist nicht durch einen Fluss geschwommen. Sie kam durch Trumps schöne, grosse Haustür herein.» Er schaltet sofort einen Anwalt ein, doch ICE will zunächst nicht mit ihm sprechen. Nach der vorläufigen Entlassung am 29. Juli muss sich das Paar am 5. August in San Francisco bei den Behörden melden.
Das Duo ist am Tag vor dem Termin nervös. «Ich hätte nie gedacht, dass es so einfach ist, jemandem die Freiheit zu nehmen», sagt die Russin. «Wir leben in Angst in meinem eigenen Land», ergänzt ihr amerikanischer Ehemann. Am nächsten Morgen steht das Paar mit seinem Anwalt zwei Stunden in der Schlange. Das Ergebnis: Sie müssen sich am 7. September wieder bei der Behörde melden.
Gleichzeitig gibt es nun einen Gerichtstermin am 22. Oktober, doch der Fall dürfte sich noch Monate hinziehen, so die «New York Times». Brent Jindra ist ernüchtert: «Der Reiz der Maga-Kampagne lag in der illegalen Einreise von Kriminellen», regt er sich auf. «Dieser Präsident hatte nie den Auftrag, die Waffe gegen Menschen zu richten, die legal eingereist sind.»
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