Darum geht’s
- Donald Trump ehrt am 17. August im Oval Office einen 16-jährigen Rettungsschwimmer und beantwortet anschliessend Fragen der Presse zu verschiedenen Themen.
- Kristen Holmes von CNN erregt den Präsidenten derart, dass er sie grob anfährt, ihr den Mund verbietet und sie niedermacht.
- Trump spricht in der Pressekonferenz auch über andere Themen, die ihn beschäftigen. Ihm gefällt. gefällt die Idee, die Strasse von Hormuz zum US-Territorium zu erklären, und sagt frank und frei, Südkorea müsse für zukünftigen «Schutz» zehn Milliarden Dollar pro Jahr zahlen.
Der Rettungsschwimmer aus Santa Cruz in Kalifornien sitzt leicht verkrampft in dem vor Gold strotzenden Oval Office im Weissen Haus auf einem schweren Stuhl vor der versammelten Presse. Der 16-Jährige hat die Hände zwischen den Beinen zusammengefaltet.
«Das ist eine tolle Story», sagt Donald Trump, der neben ihm hockt. «Es ist eine Ehre, dass… », der 80-Jährige muss auf einen Spickzettel schauen, «… Ryder Williams bei uns ist.» Nicht auszudenken, wenn Joe Biden das gemacht hätte!
«Er war von Anfang an, als man ihn als Rettungsschwimmer gesehen haben, ein Gewinner. Er hat diesen jungen Gentleman gerettet.» Trump zeigt auf einen Zehnjährigen, der mit seinem Vater und seiner Schwester auf der anderen Seite hockt. Er heisst Nathaniel Rai.
Für die Kinder wird es eine sehr lange Pressekonferenz.
YouTube/The White House
Ryder Williams wird vom Präsidenten für seine Rettungstat geehrt. «Nun kannst du ein langes und wunderschönes Leben haben», sagt Trump an Nathaniel Rai gerichtet. «Danke», sagt der Junge artig. Später bekundet der der Präsident, er hätte den Knaben wohl nicht gerettet: «Du hast Glück, dass ich an jenem Tag nicht Dienst hatte.»
Reporterin stellt erste unangenehme Frage
Der Termin im Weissen Haus am 17. August beginnt also relativ fröhlich, doch so soll er nicht enden. Nach knapp einer Viertelstunde darf die Presse Fragen stellen – und die zweite kommt von Kristen Holmes von CNN. Sie will wissen, was Trump über den Vorwurf des Demokraten Jon Ossoff sage, dass er lieber mit seiner Beraterin Natalie Harper herumreist und den Ballsaal plant, als seinen Job zu machen.
Das gefällt Trump nicht, doch er kann seinen Spitznamen zum Besten geben, den er sich für Ossoff ausgedacht hat. «Sie sprechen von Pee-wee Herman? Dem Pee-wee-Herman-Doppelgänger? Nein, ich würde gerne andere Sachen machen.»
Der demokratische Senator aus Georgia, Jon Ossoff (links), und Pee-wee Herman, eine Comedy-Figur aus Filmen und Serien, die in den 80ern erfolgreich wurde.
Keystone/Keystone/phi
Und schon wechselt Trump das Thema: Ballsaal. «Wir bauen hier eine grossartige Anlage. Wir stellen das Weisse Haus wieder her, um das sich nicht gekümmert wurde.»
Das Oval Office sei der Beweis dafür: «Dieser Raum war in einem schändlichen Zustand und ist verlottert. Das ganze Gebäude ist verlottert. Das Äussere fällt auseinander, die Säulen sind auseinandergefallen. Der ganze Ort war eine Sauerei.» Seit 150 Jahren wolle man einen Ballsaal, und das Militär sei auch happy, weil es einen Bunker bauen könnte.
Böser Oman und böse «Dummokraten»
Minutenlang spricht Trump über die massiven Umbauten, die er in Washington vornehmen lässt: schusssichere Fenster, Drohnen-Abwehr auf dem Dach – «alles vom Feinsten». Und endlich geht die Fragerunde weiter.
Warum will der Präsident noch gleich «die Sch***** aus dem Oman herausbomben?», hakt eine Journalistin nach. «Ich denke, sie haben sich nicht besonders gut benommen, aber wir können mühelos mit ihnen umgehen, genau wie mit anderen Dingen», antwortet der Präsident.
Es folgen Fragen, die Trump gefallen: Hat er davon gehört, dass einige Staatsanwaltschaften angeblich schon Anklagen gegen ihn planen, falls die Demokraten die Zwischenwahlen gewinnen? Ja, die «Dummokraten» würden das Land instrumentalisieren wie niemals zuvor. Dann darf Trump länglich attestieren, dass Washington DC nun endlich schön und sicher sei.
Darum lässt Trump Südkorea im Stich
Dann geht es in den Fragen um Trumps Kurswechsel im Umgang mit Nord- und Südkorea. Wegen «sehr guter Beziehung zu Kim Jong Un» hat der US-Präsident eine Militärübung mit Südkorea deutlich kleiner ausfallen lassen als ursprünglich geplant.
Eine Journalistin will wissen, ob Kim Jong-un auf Trumps Gesprächsangebot reagiert hat. «Ja», sagt Trump, ohne das weiter auszuführen. Und was ist mit Seoul? «Südkorea wurde viele, viele Jahre von uns beschützt. Und während meiner ersten Amtszeit, haben sie einer Zahlung von knapp drei Milliarden Dollar für Schutz zugestimmt. [Jetzt] habe ich nach zehn Milliarden Dollar gefragt, und sie waren sehr unglücklich.»
Der 80-Jährige ergänzt, er habe Südkorea um Hilfe im Iran-Krieg gebeten, doch die sei nicht gekommen: «Ich sagte: Moment, wir haben 39’000 Soldaten dort, die euch vor Kim Jong-un beschützen, und ihr helft uns nicht bei einer lockeren Militär-Operation im Iran? Das ist komisch.» Es sei wie mit der Nato: Die USA zahlten die Zeche, um andere zu beschützen. «Alles, was ich will, ist Fairness.»
Aber wird die Region nicht unsicherer, wenn Trump Verbündete aufgibt? «Ich mache sie viel sicherer. Kim Jong-un hat mich stets mit grossem Respekt behandelt, und wir haben uns mehrfach getroffen. Ich verstehe ihn. Er versteht mich. Ich komme gut mit ihm klar. Er mochte [Joe] Biden nicht. Er mochte Obama nicht. Er mochte niemanden, aber ich komme gut mit ihm klar.»
Trump rastet aus
Und dann eskaliert die Szene – siehe Video ganz oben. Kristen Holmes ruft eine Frage in den Raum, und die Sache mit Natalie Harper hat Trump ihr offenbar nicht vergessen. «Hat [Kim Jong-un] Sie explizit darum gebeten, [die Zahl der US-Truppen beim Manöver] herunterzufahren», will die CNN-Journalistin wissen.
«Ruhe! Ruhe», bellt Trump Holmes an. «Sie benehmen sich diesem jungen Mann gegenüber sehr respektlos», folgt mit Blick auf Nathaniel Rai, der damit eigentlich so gar nichts zu tun hat. «Findest du sie nicht respektlos?» Der Zehnjährige lächelt verzweifelt. «Er versteht das schon», glaubt der Präsident – und knöpft sich wieder Holmes vor: «Ruhe! Für wen arbeiten Sie?»
«Ich arbeite bei CNN», kommt als Antwort. «Fake News», ätzt Trump. «Sie sind Fake News. Sie sind ein lauter, aufdringlicher Mensch. Sie sind Fake News.» Holmes will etwas erwidern. «Seien Sie still! Seien Sie still! Sie sind eine Fake-Reporterin und berichten über Fake News.
Strasse von Hormus als US-Territorium?
Wutausbruch erledigt – nächste Frage: Gibt es genug Essen auf dem Flugzeugträger USS Lincoln? «Ja, gibt es», sagt Trump. «Das war auch ein Fake-Bericht von CNN. Die Lincoln war für eine ordentliche Zeit draussen. Über die Jahre hatten wir sie auch viel länger draussen.»
Zuvor gab es Berichte, der letzte lange Einsatz ohne Anlaufen eines Hafens habe grosse Probleme verursacht. Trump widerspricht: Ein pensionierter Admiral habe ihm gesagt, dass das Personal der Lincoln ihm berichtet habe, alles sei super auf dem Kriegsschiff, so Trump. CNN habe gelogen.
Trump spricht in der Pressekonferenz dann noch einmal ausgiebig über den Ballsaal, für den «keine Steuergelder» verwendet würden. Kurz kommt er auch noch auf die Strasse von Hormuz zu sprechen, die «amerikanisches Territorium» werden soll.
«Ich finde, das ist eine grossartige Idee. Wir kontrollieren sie durch die Blockade. Wir haben eine Blockade. Ich mag die Idee, sie zu [unserem] Territorium zu erklären. Wir haben totale Kontrolle über die Strasse. […] Die Ölpreise fallen und werden weiter fallen, es sei denn, wir entscheiden uns dazu, etwas noch viel Drastischeres zu tun. »
Damit endet nach 34 Minuten die Pressekonferenz.
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