Klopp mit «grosser Lust», Selbstkritik und Humor beim Dienstantritt


«Noch kein Spiel verloren»

Jürgen Klopp startet in sein neues Abenteuer.

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Am ersten offiziellen Arbeitstag als Bundestrainer räumt Jürgen Klopp einen Fehler ein. Ausserdem gibt er im Verbands-Interview Einblicke in seine nächsten Schritte. Ein wildes Gerücht dementiert er.

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Heute um 10:16

Das grosse Wort «Bundestrainer» bereitet Jürgen Klopp scheinbar keinen Druck, er macht sich im privaten Kreis sogar einen Spass daraus. «Vor allem Freunden habe ich WhatsApp-Nachrichten beantwortet mit ‘Bundestrainer Klopp’», sagte der 59-Jährige bei seinem offiziellen Dienstantritt und lachte: «So würde sich ja kein Mensch nennen, um Himmels willen, das klingt sehr unangenehm. Aber mit Kumpels fand ich es irgendwie ganz angemessen.»

An seinem ersten offiziellen Arbeitstag als neuer Fussball-Bundestrainer gab Klopp im Interview auf der TV-Plattform des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) weitere Einblicke in seine Ideenwelt – auf seine personellen, taktischen oder strukturellen Vorstellungen ging er aber erneut nicht konkret ein. Klopp verbreitete Optimismus, suchte den Schulterschluss mit der Liga, dementierte ein Gerücht – und räumte auch einen Fehler ein. 

Das bereut Klopp von seiner ersten Pressekonferenz

Bei der Pressekonferenz zu seiner Vorstellung habe er es mit gewissen Aussagen ermöglicht, «diese Medienschelte als die Überschrift zu nehmen», sagte der 59-Jährige selbstkritisch. «Das war mein Fehler.» Bei dem Wort «Medienschelte» zeigte er mit seinen Fingern Anführungszeichen in der Luft. 

Klopp hatte bei seiner Vorstellung am 24. Juli an die Medien gerichtet gesagt: «An dem Tag, an dem ihr das nicht mehr wollt, sagt ihr es und ich bin weg. Ohne Abfindung. Wenn ihr morgen sagt, der ist scheisse, bin ich weg.». Ausserdem betonte er: «Wenn ihr euch danebenbenehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg.» Mit Bezug auf mögliche sportliche Kritik sagte Klopp, dass er gerne bereit sei, daran zu arbeiten, wenn etwas nicht funktioniere.

Klopp: «Wenn ihr meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg»

«Wie die Fliegen auf Honig»

Klopp erklärte nun seine damaligen Aussagen damit, dass er etwas habe klarstellen wollen. Nach seinem Ende als Trainer des FC Liverpool 2024 habe sich die englische Boulevardpresse auf ihn und seine Familie gestürzt «wie die Fliegen auf Honig», erzählte Klopp: «Ich wollte sagen: Das wird nicht nochmal passieren.» 

Er habe «wirklich grosse Lust» auf die Aufgabe, bekräftigte der frühere Meistercoach des FC Liverpool und von Borussia Dortmund: «Aber wenn die grosse Masse der Leute draussen denkt: ‘Ja, jetzt lass das doch’, dann würde ich das lassen. Ich muss mich ja nicht aufzwingen.»

Klopp sieht «richtig gute Leute» beim DFB

Klopp fühlt sich in seinem neuen Job allerdings sichtlich wohl. Er sei «ganz toll aufgenommen» worden. Der Nachfolger von Julian Nagelsmann habe zudem schnell gemerkt, dass innerhalb des Verbands «richtig gute Leute» arbeiten würden. Er müsse aufgrund der enttäuschenden WM mit dem Aus in der ersten K.-o.-Runde nicht «einmal feucht durchwischen und bei null anfangen». 

Mit einigen Bundesligatrainern habe er bereits versucht, «Termine auszumachen». Er wolle, dass sich diesbezüglich alle «wirklich als Partner» sehen – auch, was die Belastungssteuerung angeht.

Noch keinen Kontakt zu Spielern

Mit Spielern hat er nach eigener Aussage noch keinen Kontakt gehabt. Das wolle er aber demnächst nachholen – und sich dabei viel Zeit nehmen. «Die Spieler kenne ich, die Person hinter dem Spieler nicht in jedem Fall.»

Auch mit Kölns Jungstar Said El Mala habe er noch nicht gesprochen. Auf Netzwerkseiten und auch in einigen Medien wurde geschrieben, dass Klopp einen Wechsel von Kölns Jungstar zu Borussia Dortmund befürwortet haben soll. Das dementierte der frühere BVB-Coach vehement.

«Ein bisschen beleidigt»

«Es hat mich so ein bisschen auch beleidigt, dass die Leute denken, meine erste Amtshandlung wäre: Ich rufe einen Spieler an und sage: ‘Übrigens, BVB, das würde gut zu dir passen.’ Das habe ich natürlich nicht gemacht», sagte Klopp: «Das ist nicht meine Aufgabe. Ich habe noch nicht mal angefangen, mit den Spielern zu arbeiten.» Der BVB war stark am 19-jährigen El Mala interessiert, konnte sich mit Köln aber nicht auf eine Ablöse einigen.

Von Gerüchten wie diesen wollte sich Klopp aber die Stimmung nicht verderben lassen. «Ich gehe es voller Optimismus an», sagte er. Er wolle als Bundestrainer erreichen, «dass das Länderspiel nicht ein Spiel zwischen zwei Highlights ist. Sondern dass das Länderspiel ein Highlight ist – für jeden, der es spielt und guckt.» 

Klopp über DFB-Nachwuchskonzept: «Grossartig»

Mit den Trainern der U19-, U20- und U21-Nationalmannschaft hat er sich bereits zusammengesetzt und ausgetauscht. «Das Entscheidende dabei ist, und das Gefühl wollte ich den Trainern vermitteln: Wir gemeinsam trainieren die deutsche Nationalmannschaft – nur in unterschiedlichen Altersklassen.» 

Wichtigster Ansprechpartner ist dabei U20-Cheftrainer Hannes Wolf, der das Nachwuchskonzept des DFB vorantreibt. Dieses findet Klopp «grossartig», er glaube «zu hundert Prozent» an den Erfolg des nicht unumstrittenen Konzepts. «Dann geht es natürlich darum, wie kann man die Basis davon überzeugen. Und wenn ich dabei helfen kann, mache ich das natürlich super gerne.»

Erstes Länderspielfenster einen Monat nach Dienstantritt

Klopp scheint mit der neuen Rolle überhaupt nicht zu fremdeln. «Im Moment ist es der beste Job der Welt, noch kein Spiel verloren», sagte Klopp und lachte. Dann schaute er mit einer entschuldigenden Geste in die Kamera und ergänzte: «Ich kann heute schon sagen: Es tut mir echt leid, es wird möglicherweise nicht so bleiben.»

Den Supercup am kommenden Wochenende zwischen Dortmund und Bayern wolle er sich vor Ort ansehen und auch bei einigen der ersten Bundesligaspiele im Stadion sein. Klopp selbst gibt am 24. September in der Nations League sein Debüt in den Niederlanden. Sein Vertrag mit dem DFB läuft bis inklusive der WM 2030.