So schützt du dein E-Bike noch besser vor Diebstahl


Professionelle Banden am Werk

Professionelle Banden knacken Veloschlösser meist in wenigen Sekunden.

Getty Images

Über 54’000 Velos und E-Bikes wurden letztes Jahr in der Schweiz gestohlen, aufgeklärt wird davon nicht einmal jeder zwanzigste Fall. Wer sein Zweirad wirklich schützen will, braucht mehr als nur ein gutes Schloss.

Martin Abgottspon

Darum geht’s

  • E-Bikes machen fast die Hälfte aller 54’308 in der Schweiz gestohlenen Zweiräder 2024 aus, obwohl sie nur einen Fünftel des Bestands stellen.
  • Organisierte Banden zielen gezielt auf die teuersten Modelle.
  • Schlösser allein reichen gegen Profidiebe oft nicht, wichtiger sind ein guter Abstellort, eine registrierte Rahmennummer und ergänzende GPS-Tracker oder digitale Diebstahlschutz-Systeme.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Die Zahl ist beunruhigend. 2024 registrierte die Polizei landesweit 54’308 gestohlene Velos und E-Bikes, rund 50 Prozent mehr als noch 2021. In Basel verschwand letztes Jahr statistisch gesehen in jedem 30. Haushalt ein Velo, in Bern war es jeder 50., in Zürich jeder 60. Am höchsten war die Quote in Solothurn mit rund 24 Diebstählen pro 1’000 Einwohner.

Was die Statistik dabei besonders deutlich zeigt: Es trifft nicht klassische Velos und E-Bikes gleichermassen. 26’761 der insgesamt 54’000 gestohlenen Zweiräder 2024 waren E-Bikes, also fast die Hälfte, bei einem Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Klassische Velos legten im selben Jahr nur um 1 Prozent zu. E-Bikes sind für Diebe also deutlich überproportional attraktiv, ganz einfach, weil sich damit mehr Geld verdienen lässt.

Wie organisiert der Handel mit gestohlenen Velos inzwischen ist, zeigte ein Selbstversuch der NZZ am Sonntag. Zwei Journalistinnen stellten ein E-Bike im Wert von 8’000 Franken bewusst als Köder an einem Bahnhof in Bern ab, versehen mit einem versteckten Tracker. Nach drei Tagen war es weg. Die GPS-Spur führte quer durch Europa bis zu einer Veloschieberbande. Der mutmassliche Kopf der Bande wurde später zu drei Jahren Gefängnis und Landesverweis verurteilt, ein Staatsanwalt beschrieb im Verfahren, wie eng Velo- und Drogenhandel inzwischen miteinander verflochten sind.

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Warum E-Bikes so begehrt sind

Hinter vielen Fällen stecken längst keine Gelegenheitsdiebe mehr, sondern genau solche organisierten Banden. Sie reisen gezielt etwa aus Frankreich per Zug an, knacken teure E-Bikes und bringen sie noch am selben Tag über die Grenze. Von dort geht es per Container weiter nach Osteuropa oder Afrika. Der Bundesrat reagiert inzwischen darauf und will das Strassenverkehrsgesetz ändern, damit milde Strafen nur noch in echten Ausnahmefällen möglich sind.

Profidiebe rücken laut Beobachter mit Eisspray, Bolzenschneidern oder Trennschleifern an und knacken damit praktisch jedes mechanische Schloss. Auch elektronische Smartlocks, die sich per App öffnen und schliessen lassen, sind dabei nicht zwingend sicherer, sondern schlicht praktischer im Alltag. Entscheidend bleibt darum weniger das Schlossmodell als der Abstellort. Ein gut beleuchteter, belebter Platz, den ein Lieferwagen nicht in aller Ruhe anfahren kann, hält Banden erfahrungsgemäss eher ab als ein teures Schloss allein.

Bei überwachten Velogaragen wie am HB Zürich ist das Diebstahl-Risiko sehr klein.

Bei überwachten Velogaragen wie am HB Zürich ist das Diebstahl-Risiko sehr klein.

Stadt Zürich

So schützt du dein E-Bike noch besser

  • Schloss richtig einsetzen: Schliesse Rahmen und Vorderrad zusammen an ein fest verankertes Objekt wie einen Veloständer oder Pfosten an, nicht nur das Hinterrad.
  • Standort wählen: Stell dein Velo an einem gut beleuchteten, belebten Ort ab, den ein Lieferwagen nicht einfach anfahren kann.
  • GPS-Tracker ergänzen: Ein Tracker ersetzt kein Schloss, hilft aber bei der Ortung nach einem Diebstahl. Der TCS hat neun Modelle getestet, die Erfolgsquoten schwanken je nach Bauart stark.
  • Rahmennummer registrieren: Mit einer Bicycode-Markierung oder einer notierten Rahmennummer lässt sich ein gefundenes Velo überhaupt erst wieder zuordnen.
  • Versicherung prüfen: Velos sind meist über die Hausratversicherung gedeckt, schnelle E-Bikes gelten aber teilweise als Motorfahrzeug und fallen aus dieser Deckung heraus.
  • Akku mitnehmen: Lässt sich der Akku entnehmen, macht das dein E-Bike für Diebe deutlich unattraktiver.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Der stille Vorteil moderner Antriebssysteme

Was viele nicht wissen: Grosse Antriebshersteller wie Bosch haben inzwischen einen digitalen Diebstahlschutz eingebaut, der beim wirtschaftlichen Anreiz ansetzt, wie es SRF kürzlich beschrieb. Wird ein Velo in der App als gestohlen markiert, sperrt das System Motor und Akku und markiert das Gerät systemweit als Diebesgut, auch bei anderen Herstellern, die auf dieselbe Antriebstechnik setzen. Damit sinkt der Wiederverkaufswert für die Diebe drastisch, statt erst nach dem Fund anzusetzen, wirkt der Schutz schon beim Anreiz selbst.

Ganz verhindern lässt sich ein Diebstahl damit trotzdem nicht. Die Rückführquote lag laut Pro Velo Schweiz 2025 bei gestohlenen Elektrovelos bei knapp 6 Prozent, bei klassischen Velos bei nur 3 Prozent. Wer sein Velo also wirklich zurückhaben will, kombiniert am besten mehrere dieser Massnahmen gleichzeitig, statt sich auf eine einzige zu verlassen.

Falls dein E-Bike doch geklaut wurde

  • Anzeige erstatten: Geh umgehend zur Polizei, das ist ohnehin Voraussetzung für die Versicherung.
  • Tracker-Standort sichern: Halte den letzten bekannten Standort als Screenshot fest, geh dem Velo aber nicht selbst nach, sondern übergib die Information der Polizei.
  • Versicherung informieren: Melde den Diebstahl mit Kaufbeleg und Fotos.
  • Bicycode aktualisieren: Falls dein Velo registriert ist, trage den Diebstahl dort ebenfalls ein.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi