Darum geht’s
- Ein gelber Rasen ist nicht automatisch abgestorben und kann sich je nach Zustand noch erholen.
- Statt täglich kurz zu wässern, empfiehlt ein Gartenbau-Experte bei etabliertem Rasen seltener, dafür ausgiebiger zu giessen.
- Im Sommer sollte der Rasen zudem nicht zu kurz geschnitten werden, weil längeres Gras den Boden besser vor Hitze schützt.
Eben noch sattgrün, jetzt gelb und trocken: Nach den vergangenen Hitzeperioden sehen viele Rasenflächen in der Schweiz deutlich mitgenommen aus. Doch eine gelbe Fläche muss nicht automatisch bedeuten, dass der Rasen vollständig abgestorben ist.
Marvin Alegria, Landschaftsgärtner und Gründer von «monjardin.ch», erklärt bei blue News, was du jetzt wissen musst.
Dein Rasen ist gelb: Ist er noch zu retten?
Die wichtigste Nachricht zuerst: Ein gelber Rasen ist nicht automatisch tot. «Er kann wiederkommen», sagt Alegria.
Entscheidend sei allerdings, wie stark die Schäden bereits sind. «Wenn der Rasen lediglich seine Farbe verloren hat oder nur einige gelbe Stellen aufweist, kann er häufig noch gerettet werden.» Bei komplett gelben Flächen sehe es schlechter aus: «Die werden nicht unbedingt wiederkommen.» Dort könnten sich stattdessen Unkräuter breitmachen.
Wer jetzt gelbe Stellen sieht, sollte deshalb nicht wochenlang zusehen. «Wenn der Rasen jetzt gelb ist, darf man nicht zu lange warten», sagt Alegria, der seit mehr als 15 Jahren als Landschaftsgärtner im Wallis arbeitet.
Sein Vorgehen bei stark geschädigten Stellen: Oberfläche aufrauen, abgestorbenes Material entfernen und anschliessend Rasensamen, Rasenerde und Dünger ausbringen. Ist das Gras lediglich etwas blasser geworden, können Dünger und ausreichend Wasser bereits genügen.
Jeden Tag ein bisschen giessen? Genau das kann falsch sein
Der naheliegende Reflex bei Trockenheit lautet: möglichst oft Wasser geben. Doch gerade bei einem bereits gut angewachsenen Rasen kann genau das kontraproduktiv sein.
Manche Gartenbesitzer wässern morgens und abends jeweils rund 15 Minuten. Das Problem daran erklärt Alegria so: «Das Wasser bleibt dann an der Oberfläche, und auch die Wurzeln bleiben nahe an der Oberfläche. Sie gehen nicht in die Tiefe, um nach Wasser zu suchen.»
«Man sollte immer früh am Morgen giessen. Das ist der beste Zeitpunkt.»
Marvin Alegria
Gartenexperte
Besser seien grössere Wassermengen in längeren Abständen – etwa dreimal pro Woche. Dadurch werde der Boden tiefer durchfeuchtet und die Wurzeln hätten einen Anreiz, weiter nach unten zu wachsen.
Eine wichtige Ausnahme gibt es allerdings: frisch gesäten Rasen. Dort seien mehrere kleinere Wassergaben täglich sinnvoll, damit die Oberfläche feucht bleibt und die Samen keimen können.
Wann solltest du giessen? Für den Profi ist die Sache klar
Nicht nur die Menge, sondern auch der Zeitpunkt spielt eine Rolle. Alegria hat dabei einen eindeutigen Favoriten.
«Für mich sollte man immer früh am Morgen giessen. Das ist der beste Zeitpunkt.»
Bei sehr hohen Temperaturen steigt der Wasserbedarf entsprechend. Statt zwei- bis dreimal könne dann auch viermal pro Woche gegossen werden. Bei längeren Phasen mit täglich 30 bis 40 Grad könne sogar morgendliches Wässern an jedem Tag sinnvoll sein.
Entscheidend bleibt aber: lieber ausreichend Wasser auf einmal als viele kurze Spritz-Einheiten.
Im Sommer den Rasen kurz schneiden? Lieber nicht
Im Sommer sollte der Rasen keinesfalls zu kurz geschnitten werden.
www.imago-images.de
Auch der Rasenmäher kann in Hitzeperioden zum Problem werden. Was im Frühling noch funktioniert, ist im Hochsommer nicht unbedingt sinnvoll.
«Sobald der Sommer kommt und die Temperaturen steigen, sollte man die Schnitthöhe erhöhen», rät Alegria. Längeres, dichteres Gras könne Hitze besser verkraften.
Der zusätzliche Effekt: Höheres Gras beschattet den Boden. Dadurch heizt sich dieser weniger stark auf und verliert langsamer Feuchtigkeit.
Die Gewohnheit, den Rasen möglichst kurz und makellos zu halten, kann ihm während langer Hitzeperioden also genau dann schaden, wenn er ohnehin unter Stress steht.
Auch eine stumpfe Mähklinge kann deinem Rasen schaden
Ein oft übersehener Fehler steckt direkt im Rasenmäher. Alegria beobachtet immer wieder, dass mit nicht ausreichend scharfen Messern gemäht wird.
Eine stumpfe Klinge schneidet die Halme nicht sauber ab, sondern reisst und quetscht sie stärker. Gerade einem ohnehin geschwächten Rasen tut das keinen Gefallen.
Wer seinen Rasenmäher häufig benutzt, sollte deshalb auch den Zustand des Messers im Blick behalten.
Mähroboter sind praktisch – haben aber einen Haken
Mähroboter können einen entscheidenden Nachteil haben.
www.imago-images.de
Mähroboter halten den Rasen automatisch auf einer konstanten Höhe. In Hitzeperioden lässt sich diese meist problemlos erhöhen. Trotzdem sieht Alegria einen Nachteil.
Weil das abgeschnittene Gras permanent auf der Fläche liegen bleibt, könne sich mit der Zeit eine stärkere Filzschicht am Boden bilden. Wer einen Mähroboter nutzt, sollte den Rasen deshalb nach Empfehlung des Experten einmal jährlich vertikutieren.
Auch bei anderen vermeintlich schnellen Lösungen mahnt Alegria zur Zurückhaltung. Manche Gartenbesitzer griffen etwa zu Mitteln gegen Unkraut, ohne genau zu wissen, wie diese eingesetzt werden sollten. Mehrere Behandlungen hintereinander lösten das eigentliche Problem des geschwächten Rasens nicht automatisch.
Muss der Rasen wirklich den ganzen Sommer perfekt grün sein?
Die vielleicht wichtigste Frage reicht über den eigenen Garten hinaus. Wenn Sommer heisser werden und Wasser zeitweise knapp ist, lässt sich ein sattgrüner Rasen über Monate überhaupt noch sinnvoll erhalten?
Alegria glaubt, dass sich unsere Ansprüche verändern müssen. «Irgendwann werden wir akzeptieren müssen, dass der Rasen vielleicht weniger schön ist.»

Dazu gehört für ihn, das Gras höher wachsen zu lassen, nicht permanent einen extrem kurzen Schnitt anzustreben und Wasser gezielter einzusetzen. Gleichzeitig beobachtet er eine steigende Nachfrage nach Kunstrasen – allerdings nicht nur wegen der Hitze, sondern auch, weil sich manche Eigentümer weniger Pflege wünschen.
«Irgendwann werden wir akzeptieren müssen, dass der Rasen vielleicht weniger schön ist.»
Marvin Alegria
Gartenexperte
Auch bei Bewässerungssystemen bemerkt der Landschaftsgärtner Veränderungen. Immer mehr Kunden interessierten sich für automatische Anlagen. Alte Systeme mit 15, 20 oder sogar 30 Jahre alten Steuerungen könnten heute plötzlich Schwächen offenbaren: Was früher noch kaum auffiel, kann bei grosser Hitze schnell eine gelbe Stelle verursachen.
Die Botschaft des Experten ist deshalb relativ beruhigend: Gelb bedeutet nicht zwangsläufig verloren. Aber wer seinen Rasen durch immer heissere Sommer bringen will, muss womöglich eine Vorstellung verabschieden – jene vom perfekt kurz geschnittenen, sattgrünen Teppich zu jeder Zeit.
Oben ohne in der Badi?: «Es soll jede Frau machen, was sie will»
Oben ohne für Frauen in der Badi: Ja oder nein? Das Thema wird gerade heiss diskutiert. blue News ging ins Schwimmbad und fragte die Badegäste nach ihrer Meinung.
#Adessonews seleziona nella rete articoli di particolare interesse.
Se vuoi leggere l’articolo completo clicca sul seguente link







