Euro, Briefwahl, Grenzen
Gleich zwei AfD-Chefs haben sich am Sonntag den grossen TV-Sommerinterviews gestellt: Alice Weidel im ZDF, Tino Chrupalla in der ARD. Dabei zeichneten beide ein ziemlich konkretes Bild davon, was die Partei verändern will, sollte sie Regierungsverantwortung übernehmen.
Darum geht’s
- Alice Weidel stellt den Euro und Schengen infrage und kündigt einen massiven Kurswechsel in der Migrationspolitik an.
- Tino Chrupalla bezeichnet den extrem warmen Sommer als «ganz normal» und fordert die Abschaffung der Briefwahl.
- Beide geben sich vor den anstehenden Landtagswahlen siegessicher und rechnen mit ersten AfD-Regierungen.
Alice Weidel und Tino Chrupalla haben sich am selben Abend den Sommerinterviews von ZDF und ARD gestellt. Dabei zeigen die beiden AfD-Chefs ziemlich deutlich, was sie verändern wollen, sollte ihre Partei an die Macht kommen.
Fünf Aussagen stechen besonders heraus.
Deutschland soll raus aus Schengen – auch der Euro steht infrage
Beim Schengenraum legt sich Alice Weidel klar fest. Deutschland solle das Abkommen verlassen und seine Grenzen wieder stärker kontrollieren. «Dieser Vertrag wird aufgekündigt», sagt die AfD-Chefin.
Auch den Euro stellt sie grundsätzlich infrage. Sie bezeichnet die Gemeinschaftswährung als «Weichwährung» und argumentiert, Deutschland sei es vor der Einführung des Euro wirtschaftlich besser gegangen. Auf die konkrete Frage nach einer Rückkehr zur D-Mark antwortet Weidel allerdings nicht eindeutig, sie spricht lediglich von einer «neuen Währung».
Weidel will Syrer zurückführen
In der Migrationspolitik kündigt Weidel einen weitreichenden Kurswechsel an. Die rund 1,3 Millionen in Deutschland lebenden Syrer sollen nach ihrer Vorstellung in ihre Heimat zurückkehren.
«Die Syrer werden alle zurückgeführt in ihre Heimat», sagt sie. Gleichzeitig fordert sie, weniger Ausländer einzubürgern. Wie eine solche Rückführung ohne entsprechende Abkommen mit Syrien konkret funktionieren soll, erklärt Weidel im Interview nicht.
Chrupalla schlägt bei der Einwanderung etwas moderatere Töne an. «Gut integrierte Menschen sind herzlich willkommen», sagt er. Gleichzeitig gibt es innerhalb der AfD deutlich strengere Positionen bis hin zur Forderung nach einem vollständigen Einwanderungsstopp.
Chrupalla nennt den Sommer «ganz normal»
Für besonders viel Aufmerksamkeit sorgt Chrupallas Aussage zum Klima. Trotz Rekordhitze, Trockenheit, Waldbränden und einer hohen Zahl hitzebedingter Todesfälle bezeichnet der AfD-Chef den Sommer als «ganz normal».
Er hält zudem den menschengemachten Anteil am Klimawandel für «wirklich sehr gering» und spricht von grossen Widersprüchen innerhalb der Wissenschaft. Diese Darstellung widerspricht dem wissenschaftlichen Konsens, wonach der derzeitige Klimawandel überwiegend durch menschliche Treibhausgasemissionen verursacht wird.
Für Chrupalla ist der Klimaschutz ohnehin eher ein «Nebenthema». Stattdessen fordert er unter anderem mehr Klimaanlagen in Schulen, Altersheimen und Spitälern sowie flexiblere Arbeitszeiten bei grosser Hitze.
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Chrupalla will die Briefwahl abschaffen
Auch beim Wahlsystem fordert Chrupalla einen grundlegenden Wechsel. Die Briefwahl soll seiner Ansicht nach abgeschafft werden.
Als Begründung verweist er unter anderem auf angebliche Manipulationen in Pflegeheimen in Sachsen-Anhalt. Konkrete Belege nennt er dafür jedoch nicht. Fälle von Wahlbetrug hat es in Deutschland zwar vereinzelt gegeben, Hinweise auf strukturelle Manipulationen der Briefwahl gibt es laut dem Faktencheck-Team des ZDF, welches in der Sendung live eingeschaltet wurde, bislang nicht.
Bis 2008 musste für die Briefwahl tatsächlich noch ein Grund angegeben werden. Heute können Wahlberechtigte ohne Begründung per Post abstimmen.
Weidel und Chrupalla rechnen mit AfD-Regierungen
In einem Punkt sind sich beide Parteichefs besonders einig: Die Zeit der AfD als reine Oppositionspartei soll ihrer Ansicht nach bald vorbei sein.
«Wir werden in den ersten Bundesländern regieren», sagt Weidel. Sie geht noch weiter und kündigt an, die AfD werde irgendwann auch im Bund die Regierung übernehmen.
Weidel verbindet diese Siegesgewissheit mit heftigen Angriffen auf die politische Konkurrenz. Die «DNA der CDU» sei die Lüge, Regierungsmitglieder bezeichnet sie als «Flachzangen».
Chrupalla gibt sich im Ton deutlich zurückhaltender. Er kündigt an, nach Wahlen auch anderen Parteien «die Hand auszustrecken». Inhaltlich zeigen die beiden Sommerinterviews aber eine ähnliche Richtung: weniger Migration, weniger Klimapolitik und grundlegende Veränderungen bei Deutschlands Verhältnis zu Europa und seinen politischen Institutionen.
Weidel nennt andere «Flachzangen» – und kassiert den Mimosen-Konter
Zum Ende des Interviews wird es persönlich. Weidel bezeichnet Regierungsmitglieder als «Flachzangen» und legt sich mit Moderator Wulf Schmiese über ihren Umgang mit politischer Kritik an.

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Schmiese erinnert daran, dass der AfD-Bundesvorstand ein Parteiordnungsverfahren gegen den nordrhein-westfälischen Abgeordneten Christian Loose eingeleitet hatte. Dieser hatte Weidel als «Alice Merkel» bezeichnet. Im Antrag war von einem Angriff auf ihre persönliche Ehre die Rede.
Der Moderator hält Weidel daraufhin vor, selbst andere Politiker öffentlich zu beleidigen, bei einem vergleichsweise harmlosen Angriff auf die eigene Person aber parteiintern durchzugreifen. Seine zugespitzte Frage: «Was für ein mimosenhaftes Verhalten ist denn das?»
Weidel weist den Vorwurf zurück. Sie sei «gar nicht beleidigt» und «richtig fröhlich», sagt sie. Dass sie selbst für den Antrag gestimmt hatte, lässt sie in ihrer Antwort jedoch unbeantwortet. Stattdessen wiederholt sie ihre Kritik an Regierung und politischen Gegnern.
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