Banklizenz für seine Krypto-Firma
Auf US-Präsident Donald Trump regnet es Gold – nicht nur wie hier nach dem WM-Finale.
AP
Darum geht’s
- Donald Trump meldete für 2025 Einnahmen von mehr als 2,2 Milliarden Dollar – einen grossen Teil davon aus Kryptogeschäften.
- Während seine Regierung kryptofreundliche Spielregeln bestimmt, erhält Trumps familieneigene World Liberty vorläufig grünes Licht für eine nationale Trust-Bank-Lizenz.
- Pikant: World Liberty macht neu auch Geschäfte mit chinesischen KI-Modellen – die von der US-Regierung als Sicherheitsrisiko eingestuft werden.
Man kann Donald Trump nicht vorwerfen, nichts gegen Finanzbetrug zu unternehmen. Seine Regierung hat sogar eine eigene Behörde ins Leben gerufen: Die «National Fraud Enforcement Division» verfolgt Betrugsfälle bei staatlichen Sozialleistungen mit aller Härte – auch wenn die Beträge im Einzelfall so klein sind, dass man sich in den USA fragt, warum sich Bundesbehörden mit Bagatellfällen beschäftigen müssen.
Wo es doch weitaus grössere Probleme in Sachen Finanzbetrug gibt. Eigentlich.
Klassische Wirtschaftskriminalität wird in Trumps Justizministerium freilich nicht unbedingt als Problem gesehen. Zumindest wird dort ein deutlich unternehmensfreundlicherer Kurs gefahren, als unter der Biden-Regierung. Die Peitsche für die kleinen Leute, die ohnehin kaum etwas haben, aber Samthandschuhe für die Teppichetage: Die Gegensätze sind nicht zu übersehen, aber kaum noch überraschend. Zu viel ist schon über Trumps Geschäftsgebaren im Amt ans Licht gekommen.
Trump verdient in einer völlig neuen Dimension
Womit wir beim US-Präsidenten selbst abgekommen sind. Der verdient nämlich Summen, die für einen amtierenden US-Präsidenten aussergewöhnlich sind. Der Mann an der Spitze des Staates macht Geschäfte in einer völlig neuen Dimension, wobei der grösste Teil des Geldes längst nicht mehr aus seinem klassischen Imperium aus Hotels, Golfplätzen und Immobilien stammt.
Vor allem das Kryptogeschäft lässt bei Donald Trump die Kasse klingeln, wie die «New York Times» hier anschaulich illustriert. Das erst 2024 gegründete Kryptovehikel «World Liberty Financial», an dem seine Familie beteiligt ist, hat sich rasend schnell zu einem milliardenschweren Geschäft entwickelt. Nun hat die US-Bankenaufsicht einer World-Liberty-Tochter auch noch vorläufig grünes Licht für eine nationale Trust-Bank-Lizenz gegeben.
Damit rückt ein Problem in den Mittelpunkt, das Donald Trump seit seiner Rückkehr ins Weisse Haus begleitet: Er gestaltet mit seiner Regierung die Regeln einer Branche, mit der seine Familie Milliarden verdient. Kommt hinzu, dass World Liberty neuerdings mit dem Hongkonger Unternehmen WorldClaw kooperiert. Dort werden unter anderem KI-Modelle chinesischer Firmen vermarktet, die Washington wegen Sicherheitsbedenken eigentlich mit Beschränkungen belegt hat. World Liberty – und damit Donald Trump – verdient jetzt aber mit.
Da kann man sich durchaus die eine oder andere Frage stellen. Zum Beispiel: Wie verdient ein amtierender US-Präsident eigentlich so viel Geld? Und geht dabei alles mit rechten Dingen zu?
Wie viel hat Trump tatsächlich verdient?
Für 2025 meldete Trump mehr als 2,2 Milliarden Dollar Einnahmen. Das ist eine so unvorstellbare Summe, dass sie Kommentator Ralph Nader auf dem unabhängigen US-Nachrichtenportal «Common Dreams» auf einen Stundensatz heruntergerechnet hat. Ausgehend von einer 40-Stunden- Arbeitswoche hat Donald Trump pro Stunde 1,1 Millionen Dollar verdient.
2024 betrugen die Einkünfte Trumps übrigens «nur» rund 600 Millionen Dollar. Ein Vergleich mit 2017 ist nur eingeschränkt möglich, weil Trumps damalige Offenlegung vielfach Unternehmensumsätze statt persönlicher Einkünfte auswies.
Hat je ein anderer US-Präsident im Amt ähnlich viel verdient?
Nein. Zumindest in der modernen US-Geschichte ist kein vergleichbarer Fall bekannt. Die «Washington Post» bezeichnet das Ausmass von Trumps finanziellen Zugewinnen als beispiellos. Frühere Präsidenten trennten ihre persönlichen Investitionen zudem meist stärker vom Amt, beispielsweise über Blind Trusts.
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Woher kommen die Milliarden?
Vor allem aus dem Krypto-Geschäft. Mehr als 1,4 Milliarden Dollar von Trumps gemeldeten Einnahmen 2025 stammen aus Kryptowährungen und damit verbundenen Geschäften. Allein der Meme-Coin $TRUMP brachte rund 635 Millionen Dollar. Dagegen wirken seine traditionellen Geschäfte fast bescheiden: Das Golfresort Doral brachte rund 122 Millionen Dollar ein, Mar-a-Lago etwa 77 Millionen.
Welche Rolle spielt World Liberty in Trumps Imperium?
Eine zentrale. Die Trump-Familie hält einen grossen Anteil an World Liberty Financial. Reuters schätzt, dass ihr das Geschäft mit den World-Liberty-Token bislang rund 1,4 Milliarden Dollar eingebracht hat. Insgesamt beziffert die Nachrichtenagentur die Gewinne der Familie aus ihren verschiedenen Kryptogeschäften auf bisher rund 2,3 Milliarden Dollar.
Wie hilft Trumps Politik der Kryptobranche?
Bereits kurz nach seinem Amtsantritt hat Trump den Kurs Washingtons grundlegend geändert. Seine Regierung treibt ein kryptofreundliches Regelwerk voran, hat eine staatliche Digital-Asset-Reserve geschaffen und mit dem GENIUS Act einen bundesweiten Rechtsrahmen für Stablecoins verabschiedet. Auch die Börsenaufsicht SEC hat Abstand vom härteren Kurs der Biden-Jahre genommen.
The Office of the Comptroller of the Currency (OCC), eine Art Bankenaufsicht, hat bislang nur eine bedingte Genehmigung erteilt. Erfüllt World Liberty die Auflagen, könnte das Unternehmen seinen Stablecoin USD1 selbst herausgeben, die Reserven verwahren und weitere Finanzdienstleistungen anbieten. Eine normale Geschäftsbank mit Girokonten und Krediten wird aus World Liberty allerdings nicht, wie Reuters erklärt.
Hat Trump die Lizenz selbst erteilt?
Nein. Zuständig ist die Bankenaufsicht OCC im US-Finanzministerium. Geleitet wird die Behörde von Jonathan Gould, der von Donald Trump ernannt wurde. Es gibt keinen Beleg dafür, dass Trump persönlich in das Verfahren eingegriffen hat. Auch andere Kryptounternehmen erhielten vergleichbare Genehmigungen.
Was ist an dem Hongkonger Unternehmen WorldClaw heikel?
World Liberty arbeitet mit der Hongkonger Plattform WorldClaw zusammen. Diese bietet unter anderem KI-Modelle chinesischer Firmen wie Alibaba, Baidu und Z.ai an, gegen die Washington wegen Sicherheitsbedenken Beschränkungen verhängt hat. Bezahlt werden kann auf WorldcClaaw allerdings mit World Libertys Stablecoin USD1.
Das ergibt eine pikante Konstellation: Trumps Regierung beschränkt chinesische KI-Unternehmen, während eine Firma seiner Familie an Geschäften rund um deren Technologie verdient.
Ist das überhaupt legal?
Das Geschäft mag fragwürdig tönen, allerdings gibt es bislang keinen Hinweis darauf, dass die Zusammenarbeit zwischen World Liberty und WorldClaw illegal ist. Ein Interessenkonflikt ist nicht automatisch ein Gesetzesverstoss.
Für US-Präsidenten gelten zudem zentrale Interessenkonfliktregeln nicht, denen normale Regierungsmitarbeiter unterliegen. Das befreit einen Präsidenten allerdings nicht von Korruptions-, Bestechungs- oder anderen Strafgesetzen.
Ziemlich erwartbar weist Donald Trump Interessenkonflikte zurück. Auf die Rekordeinnahmen angesprochen, erklärte er Anfang Juli, er profitiere, weil die Börse steige, und behauptete, nicht mit den Personen zu sprechen, die sein Vermögen verwalten. Das Weisse Haus erklärte gegenüber Reuters zudem, es gebe im Zusammenhang mit World Liberty und WorldClaw «keine Interessenkonflikte» und Trump handle ausschliesslich im Interesse der amerikanischen Öffentlichkeit.
Höchststand erreicht: Bitcoin profitiert von Trumps Politik
Der Kurs des Bitcoin ist am Donnerstag auf fast 112.000 Dollar gestiegen. Experten sehen die US-Regulierungspolitik als treibende Kraft: Präsident Trump unterstützt Kryptowährungen und hat eine staatliche Bitcoin-Reserve in Aussicht gestellt.
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