Aus Widerstand gegen Trump
Olivia Rodrigo zählt aktuell zu den grössten Namen im Pop. Mit ihrem Festival «Daisy Chain Fields» unterstützt sie nun Organisationen, die sich für Frauen einsetzen.
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Darum geht’s
- Olivia Rodrigo veranstaltet am 29. August im kalifornischen Irvine das «Daisy Chain Fields», bei dem ausschliesslich Musikerinnen wie Chappell Roan, Doechii, Mitski und Rodrigo selbst auftreten.
- Alle Acts spielen laut dem Popstar kostenlos, der gesamte Reinerlös geht an zehn Organisationen für Frauen und Mädchen.
- Inspiriert wurde das Festival von der feministischen Musik-Event Lilith Fair der 1990er-Jahre.
- Inhaltlich setzt Rodrigo ebenfalls klare Akzente für Frauenrechte und reproduktive Rechte und positioniert sich damit auch gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump.
Mädchen, die unter einem Baum sitzen und Gänseblümchen zu Ketten flechten: Dieses Bild hatte Olivia Rodrigo laut eigener Aussage im Kopf, als sie ihr Festival plante. Herausgekommen ist das «Daisy Chain Fields» – ein Festival, das am 29. August im kalifornischen Irvine stattfindet und auf dem ausschliesslich Musikerinnen auftreten. Im Line-up stehen Namen wie Chappell Roan, Doechii, Mitski, Katseye, Garbage und The Breeders – und auch Olivia Rodrigo selbst spielt.
Rodrigo zählt aktuell zu den grössten Namen im Pop. Ihre Karriere begann mit dem Schauspiel: Bei Disney stand sie für «Bizaardvark» und «High School Musical: Das Musical: Die Serie» vor der Kamera. Der Durchbruch kam 2021 – die Single «Drivers License» und das Album «Sour» machten sie praktisch über Nacht zum Weltstar. Ein Jahr später räumte sie drei Grammys ab, darunter jenen als beste Newcomerin. 2023 folgte das Album «Guts» mit Hits wie «Vampire», kürzlich dann ihre dritte Platte «you seem pretty sad for a girl so in love».
Mit dem «Daisy Chain Fields» verfolgt die 23-jährige Musikerin einen guten Zweck: «100 Prozent des Reinerlöses des Festivals gehen an wohltätige Zwecke», sagte Rodrigo kürzlich darüber. «Und all die unglaublichen Künstlerinnen, die auf dem Programm stehen, treten kostenlos für den guten Zweck auf.»
Konkret fliesst das Geld an zehn Organisationen, die sich für Frauen und Mädchen einsetzen – darunter die Abtreibungs- und Familienplanungs-Organisation Planned Parenthood, das Center for Reproductive Rights, das sich weltweit für reproduktive Rechte starkmacht, sowie FreeFrom, eine Organisation gegen geschlechtsspezifische Gewalt. 10 Millionen Dollar sollen für die Organisationen bereits zusammengekommen sein, teilte Rodrigo am Vorabend des Festivals mit.
Festival aus den 90er-Jahren als Vorbild
Als Vorbild für ihr Festival nannte Rodrigo die Lilith Fair. Das war ein reines Frauenfestival, das die kanadische Singer-Songwriterin Sarah McLachlan Ende der Neunzigerjahre auf die Beine stellte. Entstanden war die Lilith Fair aus Ärger über eine ungeschriebene Branchenregel, nach der es als geschäftsschädigend galt, zwei Künstlerinnen hintereinander zu auftreten zu lassen oder im Radio zu spielen.
Ein Comeback 2010 geriet dann allerdings zum Debakel: Rund ein Drittel der Shows wurde mangels Nachfrage abgesagt, prominente Künstlerinnen sprangen ab, und McLachlan selbst bezeichnete die Neuauflage später in einem Interview als «kolossalen Fehlschlag».
Ein neuer Anlauf, so sagte sie damals, müsste von jemand Neuem kommen «und nicht Lilith heissen». Rund 15 Jahre später greift also Rodrigo den Stab auf. McLachlan sei auch die erste Person gewesen, die sie angerufen habe, als sie sich für das Projekt entschied.
Neuer Song «Serena Joy» warnt vor Mitläuferschaft
Passend zur Stossrichtung des Festivals hat Rodrigo überraschend einen neuen Song veröffentlicht: «Serena Joy», benannt nach der Figur aus dem Roman und der Serie «The Handmaid’s Tale», die den patriarchalen Gottesstaat Gilead mit aufbaut – und am Ende selbst zum Opfer des Systems wird. Der Song, der es nicht auf ihr drittes Album schaffte, warnt vor genau dieser Mitläuferschaft.
Rodrigo brachte ihn letzten Freitag zunächst als streng limitierte CD heraus: 500 Exemplare, exklusiv in einem Plattenladen unweit des Festivalgeländes. Die CD war innert Stunden ausverkauft. Seit Montag lässt sich der Song auch auf allen gängigen Streamingplattformen hören.
Der politische Unterton ist kein Zufall. Rund die Hälfte der Partnerorganisationen des Festivals kämpft für reproduktive Rechte. Und Rodrigo hat sich wiederholt gegen US-Präsident Donald Trump positioniert: So warf sie ihm kürzlich vor, mit Mittelkürzungen die Schliessung von fast 30 Planned-Parenthood-Zentren verursacht zu haben. Wie zahlreiche andere Musiker*innen kritisierte sie zudem scharf, dass das Heimatschutzministerium einen ihrer Songs für ein Abschiebe-Video verwendete.
Auch das restliche Line-up des Festivals passt dazu: Mit der Band Bikini Kill um Kathleen Hanna stehen die Gründerinnen des feministischen Riot-Grrrl-Punk auf der Bühne, und Popstars wie Chappell Roan gelten als lautstarke Fürsprecherinnen queerer und feministischer Anliegen.
Günstig ist das Vergnügen allerdings nicht: Das billigste Ticket kostet 255 Dollar (rund 205 Franken). Für den Pit-Viewing-Bereich – also einen Bereich direkt vor der Bühne – müssen Fans ganze 1255 Dollar (rund 1007 Franken) springen lassen. Doch die Nachfrage ist da: Alle vier Kategorien sind inzwischen ausverkauft. Wer noch auf ein Ticket will, kann sich auf eine Warteliste setzen lassen.
Das Festival von Olivia Rodrigo ist ein teures Vergnügen. Die teuersten Tickets gingen für 1255 Dollar weg.
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