Ein Lagebild aus der Ukraine – aus russischer Sicht


Welche Erfolge feiert Putin?

Welche Erfolge kann in diesen Kriegstagen eigentlich die russische Armee feiern? Berichte über Moskaus militärisches Vorgehen kommen in der Berichterstattung im Westen oft wenig zur Sprache. Wer genauer hinsieht, stellt schnell ein Muster fest: Wie du mir, so ich dir.

Darum geht’s

  • Weiterentwickelte Drohnen und ballistische Raketen unterfüttern Russlands strategische Luftkampagne. Operativ greift Moskau nun mit FPV-Drohnen an, die lauern, lauschen und überraschen.
  • Keine Möglichkeit zu tanken, Angriffe auf Logistikzentren und Unterbrechung der Getreideexporte: Russland spiegelt die ukrainische Taktik, aber es wird weniger darüber berichtet.
  • An der Front gibt es am Boden kaum Bewegung: Eine russische Zangenbewegung bei Lyman droht nun selbst von zwei Seiten in die Mangel genommen zu werden.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Ballistische Raketen und neue Drohnen

Russland hat nach wie vor den Vorteil, dass die Ukraine kaum über ausreichend Abfangraketen vom Typ Patriot verfügt, die als einzige in der Lage sind, ballistische Raketen abzufangen. Diese wären auch besonders geeignet, um Moskaus Jets abzuschiessen, die in der Nähe der Front unbehelligt Gleitbomben abwerfen können.

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Gleichzeitig setzt sowohl der Kreml wie auch sein Gegner vermehrt auf den Einsatz von Jet-Drohnen. Von den Modellen Geran-4 und Geran-5 produziert Russland ukrainischen Angaben zufolge 3000 Stück pro Monat. Vorhandene Kapazitäten würden ausgebaut. Sie sollen bis zu 500 km/h schnell sein und bis zu 1000 Kilometer Reichweite haben.

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Hinzu kommen Luftangriffe auf kurze Distanz: In der sogenannten Todeszone um die Front herum richten russische Drohnen ähnlich tödlichen Schaden an wie die ukrainischen Pendants. Eine neue russische Variante sind Drohnen, die hinter Mauern oder Zäunen verdeckt auf ihre Opfer lauern. So verbrauchen sie zudem weniger Akku-Energie.

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Sensoren reagieren auf akustische Signale und alarmieren den Piloten, der aufsteigt und im obigen Beispiel seine Waffe in einen Pickup des Gegners stürzt. «Allgemeiner gesagt bietet diese Taktik Russland eine relativ kostengünstige Möglichkeit, mithilfe bestehender Drohnentechnologie ein Gebiet zu sperren», analysiert das US-Magazin «Forbes» die Neuerung.

Nova Poshta statt Wildberries

In der Wahrnehmung vieler im Westen waren es die ukrainischen Streitkräfte, die Mitte Juli damit begonnen haben, die Logistikzentren russischer Online-Händler wie Wildberries und zuletzt auch Ozon systematisch anzugreifen.

Doch Russland hat vorgelegt. Leitragend ist zum einen Nova Poshta, ein Kurier- und Logistikunternehmen, das der staatlichen Ukrposhta Konkurrenz macht. Das andere Opfer ist die Firma Epicentr, die Einkaufszentren und Baumärkte betreibt. Es gibt 20 entsprechende russische Angriffe, bis am 18. Juli 2026 erstmals Kiew zwei Wildberries-Lager ins Visier nimmt.

Nachdem die Ukraine Wildberries an den Rand des Ruins getrieben hat, schlägt Russland im August umso härter zurück. Die Aufmerksamkeit dafür ist im Westen allerdings gering: Die Clips von Moskaus erfolgreichen Angriffen werden auf Social Media weniger stark verbreitet als ähnliche Schläge der Ukraine.

Alleine im August werden Nova-Poshta-Zentren in Charkiw und …

While Ukraine strikes Wildberries warehouses, Russia hits Nova Poshta. Russia struck a major Nova Poshta logistics terminal in Kharkiv region. Cargo trucks, containers and equipment caught fire following the attack. #Ukraine

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— NOELREPORTS (@noelreports.com) 2. August 2026 um 11:26

… in Bilohorodka bei Kiew ins Visier genommen: Bei letzterer Attacke wird zeitversetzt ein zweites Mal angegriffen, um die Rettungskräfte zu treffen.

Russia struck Nova Poshta warehouses near Kyiv three times overnight. The first attack hit facilities in the Bilohorodka community, and about an hour later, while firefighters were battling the blaze, Russia carried out two more strikes on the same site. Emergency crews managed to move to safety.

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— Gianl1974 (@gianl74.bsky.social) 28. August 2026 um 10:29

Hinzu kommt ein Schlag gegen ein Epicentr-Lager in Saporischschja …

NewsInsideUkrainet.me/c/1966917236…Nova Poshta sorting centers in Sumy & Kyiv region were destroyed overnight. 4 guided aerial bombs hit the Sumy terminal, damaging 3 trucks; a drone destroyed the Kyiv depot. An Epicentr store in Zaporizhzhia was also attacked during the overnight strikes.

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— Grainne Brennan (@grainnebrennan.bsky.social) 28. August 2026 um 16:39

… sowie ein Nova-Poshta-Zentrum in Sumy, unweit der Grenze zu Russland. wobei Gleitbomben zum Einsatz kommen.

Am Monatsende erwischt es Nobva Poshta in den Grossstädten Charkiw …

Nachtrag zur 🇺🇦-Fahrt im Juli: Noch auf dem Rückweg erfuhren wir, dass eine Nova-Poshta-Lagerhalle bei Kharkiv von russischen Raketen getroffen wurde. Unsere Palette mit Hilfsgütern für Vysokopilliya ging buchstäblich in Flammen auf. 🤬

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— UkraineWillWin ✊🇮🇱 🇺🇦 (@ukrainewillwin.bsky.social) 31. August 2026 um 21:04

… und Odessa.

Tankstellen zerstören statt Schlangen davor

Auch auf die ukrainischen Luftangriffe auf die Energiewirtschaft, die in Teilen des Landes lange Schlangen vor Tankstellen bewirken, verfolgt der Kreml eine quid-pro-quo-Politik: Wladimir Putins Drohnen zerstören im Gegenzug ukrainische Tankstellen.

Gerade Gebiete in Grenznähe sind betroffen. Charkiw und Sumy haben besonders zu leiden: Das Tanken ist dort inzwischen kompliziert geworden.

Auf der Strecke zwischen Charkiw und Poltawa alleine sollen 80 Tankstellen zerstört worden sein, räumen ukrainische Quellen ein.

Russia is increasingly targeting Ukrainian gas stations as Ukraine continues striking Russian fuel infrastructure and military logistics. Overnight, a drone hit a gas station on the Sumy-Kharkiv highway, while Russian sources claimed attacks on five fuel stations in Dnipropetrovsk Oblast. #Ukraine

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— NOELREPORTS (@noelreports.com) 1. Juli 2026 um 08:55

Das Problem betrifft auch Saporischschja im Süden der Front.

Earlier a person was killed in a similar attack in Dnipropetrovsk region.Five people were also injured, three seriously, after the Russian strike on a fuel station in Sofiivka, a small town on the road from Dnipro to Kryvyi Rih.

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— Tim White (@twmcltd.bsky.social) 3. Juli 2026 um 14:59

Hafen von Odessa statt Hafen von Noworossijsk

Kiew hat mit einer Attacke auf den Hafen von Noworossijsk am 12. August den russischen Getreideexport weitgehend zum Erliegen gebracht.

Aber: Auch Kiews Weizen-Export ist zwischen Juli und August um 69,5 Prozent eingebrochen. Der Anteil des Getreides an den landwirtschaftlichen Gesamtexporten sank von 73,9 auf 42,9 Prozent.

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Grund dafür ist die einerseits Blockade des Schwarzen Meeres. Andererseits sind russische Drohnenpiloten inzwischen dazu übergegangen, Lastwagen anzugreifen, die den Hafen von Odessa ansteuern. Sie verfahren analog zu ihren Gegnern, die die Autobahn R-280 im Süden der Ukraine für russische Trucker zum Highway to Hell machen – siehe Video ganz oben.

War and heat: Why are wheat prices soaring?: Wheat prices have soared as the Russia-Ukraine war intensifies attacks on Black Sea grain infrastructure, disrupting exports from the world’s largest wheat exporter and a top-10 producer. Chicago wheat futures hit a three-… https://ranked.news/1309738?u=b

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— Ranked News (@rankednews.bsky.social) 31. August 2026 um 20:03

Das Problem: Weil Moskau und Kiew zu den grössten Getreideexporteuren gehören, ziehen wegen der Ausfälle die Preise entsprechend an, was sich insbesondere auf die ärmsten Staaten niederschlägt.

Geben und Nehmen an der Front

Insgesamt gibt es nach wie vor nur sehr wenig Bewegung an der Front: Die ukrainische Armee konnte einige Quadratmeter im Oblast Dnipropetrowsk befreien – das ist das grüne Gebiet im folgenden Bild.

Die Front zwischen Saporischschja (links unten) und Kostjantyniwka (oben rechts) laut der pro-ukrainischen Deep State Map. In Grün von der Ukraine zurückeroberte Gebiete.

Die Front zwischen Saporischschja (links unten) und Kostjantyniwka (oben rechts) laut der pro-ukrainischen Deep State Map. In Grün von der Ukraine zurückeroberte Gebiete.

DeepStateMap

Möglich war das auch dadurch, dass Moskau seine Kräfte auf den Festungsgürtel im Rest von Donezk konzentriert, den Kiew noch kontrolliert. An dessen Anfang steht Kostjantyniwka, das die Russen bald eingenommen haben werden:

Lage in Kostjantyniwka laut dem Londoner Institute for the Study of War.

Lage in Kostjantyniwka laut dem Londoner Institute for the Study of War.

ISW

Zur unteren Karte: Während Kostjantyniwka (2) noch umkämpft ist und die russische Armee sich langsam auf Slowjansk und Kramatorsk (3) zukämpft, versucht sie gleichzeitig, über die Flanken vorzurücken. Zum einen in Richtung Dobropillja (1) im Süden und zum anderen in Richtung Lyman (4) im Norden.

Das markierte Haus-Icon über der 4 ist das Dorf Selena Dolyna.

Das markierte Haus-Icon über der 4 ist das Dorf Selena Dolyna.

DeepStateMap/phi

Beim Vorstoss im Norden ist Moskau aber offenbar zu weit vorgeprescht: Die Gegenseite hat diese Seite der russischen Zange mit einer eigenen Zangenbewegung gekontert, wie der pro-russische Telegram-Kanal Rybar einräumt: Putins Truppen droht die Einkesselung, falls ukrainische Kräfte weiter aus Selena Dolyna vorrücken:

Nördlich von Lyman sind russische Soldaten weit nach Wetsen vorgerückt, werden nun aber in der Flanke selbst attackiert, zeigt diese Karte des pro-russischen Rybar-Kanals.

Nördlich von Lyman sind russische Soldaten weit nach Wetsen vorgerückt, werden nun aber in der Flanke selbst attackiert, zeigt diese Karte des pro-russischen Rybar-Kanals.

Telegram/gRybar


Massive Detonation im Zentrum von Donezk – Ukraine trifft am 26. August russische Kommandoposten

Gewaltige Explosionen erschüttern das Zentrum von Donezk. Ziel des ukrainischen Angriffs ist nach Angaben aus Kiew ein russischer Kommandoposten. Videos zeigen eine massive Detonation, dunkle Rauchwolken und schwere Zerstörungen.


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