Bei Finanzen hört der Spass auf
Donald Trump, fotografiert am 14. August in New York: Das juristische Vorspiel vor dem Prozess gegen die BBC in Florida läuft nicht so wie gewünscht.
AP
Darum geht’s
- Donald Trump hat die BBC wegen eines manipulierten Beitrags auf zehn Milliarden Dollar verklagt, doch die Beweisaufnahme vor dem Prozess in Florida läuft nicht gut für ihn.
- Während die BBC 87’000 Seiten eingereicht hat, waren es bei der Gegenseite nur 735. Um nicht seine Finanzen offenlegen zu müssen, haben Trumps Anwälte die Klage nachträglich geändert.
- Die BBC hat vom Gericht Hilfe bei der Zustellung von Vorladungen an Trumps Verwandte erbeten – dann wird plötzlich der Richter ausgetauscht, der für den Fall zuständig ist.
Es ist Mitte Dezember 2025, als Donald Trump seine juristische Bombe platzen lässt. Nicht weniger als zehn Milliarden Dollar will er von der BBC, weil der staatliche britische Sender einen Beitrag fragwürdig manipulierte.
Doch die Klage entwickelt sich zu einem veritablen Eigengoal, das der Präsident und seine Anwälte auch noch selbst auflegen. Dabei rücken plötzlich die Finanzen und die Familie des New Yorkers in den Fokus und nicht der Beitrag des BBC-Formats «Panorama».
Was hat die BBC gemacht?
Die Dokumentation «Trump: A Second Chance?» beleuchtet den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021. Dabei werden zwei Teile aus Donald Trumps vorausgehender Rede hintereinander geschnitten, die de facto 50 Minuten auseinander liegen. Trump sagt in seiner Rede: «Wir gehen rüber zum Kapitol […] und feuern unsere tapferen Senatoren und Kongressabgeordneten an.»
Durch den Schnitt endet der Satz in der BBC-Dokumentation dann so: «Wir gehen rüber zum Kapitol […] und kämpfen wie die Wilden.» Es folgen Bilder des Mobs, der zum Capitol zieht, was den Eindruck erweckt, das sei eine unmittelbare Folge vom Aufruf des Präsidenten, kritisierte die britische Zeitung «The Telegraph».
Diese der BBC unwürdige Manipulation hat Folgen: Einige Mitarbeitende müssen gehen und der Sender entschuldigt sich am 9. November mit einem Brief bei seinem Opfer. Da ist bereits von einer Klage über eine Milliarde Dollar die Rede. Am 15. Dezember wird klar, dass Trump sogar das Zehnfache einfordert.
BBC reicht 87’000 Seiten ein – Trumps Team 735
Für den 80-Jährigen ist diese Klage nichts Besonderes. Alleine 2025 haben Facebook-Mutter Meta, X alias Twitter sowie Youtube Millionen, damit er Klagen gegen die Konzerne zurücknimmt. Er scheiterte allerdings mit einer Millionenklage gegen CNN und Milliardenklagen gegen das «Wall Street Journal» sowie die «New York Times».
Für die BBC jedoch geht es ums Überleben: Die Briten haben 2024 einen Gewinn von rund 250 Millionen Franken gemacht. Eine Forderung 10 Milliarden Dollar oder 8 Milliarden Franken würde dem Sender das Genick brechen. Die Beklagten gehen den Rechtsstreit entsprechend seriös an.
Q: Admiral Cooper was asked yesterday about the strike on the girls’ school–TRUMP: Well, it’s under investigation Q: Are you able to confirm it was a US missileTRUMP: Who are you with?Q: BBCTRUMP: Fake BBC. You mean the ones that put AI in my mouth?
— Aaron Rupar (@atrupar.com) 15. Mai 2026 um 13:56
Ganz im Gegensatz zu Trumps Team, für das die «Discovery» zum Albtraum wird. So nennt man im Angelsächsischen die Beweisaufnahme vor dem Verfahren: Beide Seiten können Positionen beziehen, aber auch Dokumente von der Gegenseite anfordern oder Zeuginnen und Zeugen aufrufen.
Die BBC hat nach eigener Aussage 87’000 Seiten Material verfasst. Trumps Team hat 735 Seiten eingereicht, das meiste davon «Newsartikel» und andere Schriftstücke «aus dem Internet», so die BBC. Das macht den Discovery-Prozess «vollkommen einseitig» – sagt nicht Trumps Anwalt, sondern Charles Tobin, der die BBC vertritt.
Anwälte müssen Klage abändern
Trumps Vertreter, Alejandro Brito, beklagt dagegen, es sei «bedrückend» und «extensiv», was die Briten alles einforderten. Ein Beispiel: Immerhin sagt der Kläger ja, die BBC habe seinem Ruf geschadet. Um das zu beziffern, müsste Trump doch ausweisen, was er alles habe – und inwiefern sich seine Finanzen durch die Dokumentation verschlechtert hätten.
Davon will Trumps Seite natürlich nichts wissen, doch das Gericht in Florida, wo die Klage eingereicht worden ist, sieht das ähnlich wie die BBC – und billigt den entsprechenden Antrag der Briten am 21. Juli. Trumps Lager wehrt sich zunächst, es könne derart sensible persönliche Daten nicht herausrücken. Weil das nicht hilft, wird nun die Anklage überarbeitet, weiss das Fach-Portal «Law & Crimes».
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Um Trumps Finanzen nicht offenlegen zu müssen, soll der vermeintliche «extensive wirtschaftliche Schaden» aus der Anklage gestrichen werden. Damit bliebe nur noch der angebliche Rufschaden übrig, den der Präsident durch die Sendung erlitten haben soll, die kaum eine Amerikanerin und kaum ein Amerikaner in der Originalfassung gesehen haben dürfte.
Bezirksrichter Roy Altman hat die Nachbesserung der Anklage zwar erlaubt, betont aber gleichzeitig, dass der Vorgang an sich ein Argument für die Gegenseite sein könnte. Die bittet den Richter um weitere Hilfe: Die BBC-Anwälte wollen Verwandte von Trump vorladen, weil diese «persönliches Wissen» bei Punkten habe, die die Klage beträfen.
Plötzlich wird der Richter ausgetauscht
Die Vorladungen könnten Personen wie Ivanka Trump oder Jared Kushner aber nicht zugestellt werden, weil sie vom Secret Service abgeschirmt würden, klagen die Vertreter der BBC am 14. August.
Trumps Leute reagieren auf Nachfrage der britischen Zeitung «The Times» genervt: «Die BBC hat Präsident Donald J. Trump absichtlich diffamiert, und jetzt versucht die BBC, ihn, seine Familie und seine Anhänger zu schikanieren, indem sie das Verfahren zur Zeugenaussage missbraucht.»
Doch es gibt einen Lichtblick für die Familie Trump, wie am 18. August bekannt wird: Richter Roy Altman, den der Präsident notabene selbst nominiert hat, wird durch Richter Jeffrey Kuntz ersetzt, der den Fall am 14. August übernimmt. Der hat bei einer anderen Diffamierungsklage für Trump entschieden. Der Grund für den Wechsel ist offenbar unklar.
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Dennoch wird es schwer, der BBC Rufschädigung durch ein Programm vorzuwerfen, das in den USA gar nicht zu sehen war und bewusst im Internet hätte gesucht werden müsste.
Wie ramponiert sein Ruf ist, muss am Ende eine Jury entscheiden: Der Prozess soll im Februar 2027 beginnen – wenn es denn dazu kommt.
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