Bereits mehr als 600 Tote
Die Schlammmassen sind teils meterhoch.
Bild: dpa
Darum geht’s
- Nach der Flutkatastrophe im Grenzgebiet von China und Nepal ist die Zahl der Todesopfer auf insgesamt mehr als 670 gestiegen.
- Rund 3000 Menschen werden noch vermisst.
- Unter den Vermissten sind auch viele Ausländer.
Die Zahl der Toten nach der verheerenden Flutkatastrophe im Himalaya ist auf mehr als 670 gestiegen. Zugleich werden nach Angaben der Behörden in Nepal und China insgesamt rund 3000 Menschen vermisst – darunter Hunderte Ausländer. Nepals Aussenminister Shishir Khanal bezifferte die Zahl der Vermissten in seinem Land auf rund 2426 und Chinas amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete für Tibet 554 Vermisste.
Die Zahl der Toten nach der verheerenden Flutkatastrophe im Himalaya ist auf mehr als 670 gestiegen. Zugleich werden nach Angaben der Behörden in Nepal und China rund 3000 Menschen vermisst – darunter Hunderte Ausländer.
Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte “Swisscom Werbung bei Dritten”, um diesen Inhalt anzuzeigen.
Wie das EDA am Donnerstagabend bestätigt, konnten zwei Schweizer gerettet werden. Zu einer vermissten Schweizerin konnte das EDA bisher noch keinen Kontakt herstellen.
Die meisten Vermissten sind indischer oder nepalesischer Staatsangehörigkeit. Unter den zahlreichen Vermissten aus dem Ausland befinden sich mehrere Dutzend Staatsangehörige aus Australien, Kanada, Malaysia, Grossbritannien, den USA und der Ukraine.
Auch mehrere deutsche Staatsbürger gelten als verschollen. Das Auswärtige Amt sprach auf Nachfrage zuletzt von einer «hohen einstelligen Zahl» deutscher Staatsangehöriger, zu denen es keinen Kontakt gebe. Die deutschen Auslandsvertretungen in Nepal und China stünden mit Angehörigen und örtlichen Behörden in engem Kontakt.
In Nepal hatte die Armee bereits am Freitag eine vierköpfige Familie aus Deutschland gerettet. Ein Hubschrauber hatte sie in das Armeecamp Battar Bazar gebracht, weil von ihrem Aufenthaltsort über den Landweg kein Weiterkommen mehr möglich war.
Starker Regen erschwert Rettungsarbeiten
Derweil kämpfen die Rettungskräfte weiter gegen gewaltige Schlamm- und Geröllmassen, bei teils heftigem Regen, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete. Asien steckt derzeit noch in der normalerweise bis September dauernden Monsun-Regenzeit.
«Der schwierigste Teil ist der abgelagerte Schlamm als Folge der Flutwelle», sagte Armeesprecher Raja Ram Basnet im nepalesischen Battar Bazar an der Grenze zu Tibet. Dadurch sei es sehr schwierig, Hubschrauber in den betroffenen Gebieten wie Temure, Syabrubesi und Mailung zu landen oder zu starten.
«Ist da jemand?»
Besonders eindringliche Bilder kamen aus dem chinesischen Teil des Katastrophengebiets. Am zerstörten Grenzübergang Gyirong bahnten sich chinesische Rettungskräfte mühsam einen Weg durch meterhohen Schlamm und Trümmer. Immer wieder blieben sie stehen, beugten sich über Erdmassen und riefen gemeinsam: «Ist da jemand?» Die von chinesischen Medien verbreiteten Aufnahmen zeigen, wie die Einsatzkräfte vorsichtig durch die verwüstete Landschaft gehen, mit Schaufeln in Geröllhaufen suchen und auf mögliche Lebenszeichen lauschen.
Aussenminister Shishir Khanal erklärte vor Journalisten, ein indisches Team sei eingetroffen, um bei der Rettung von Arbeitern zu helfen, die in einem Wasserkraftwerkstunnel im Distrikt Rasuwa eingeschlossen seien. Ein weiteres Team aus China werde in Kürze erwartet. Die Regierung bitte um technische Unterstützung bei den komplizierten Rettungs- und Suchmassnahmen.
Leichen sind kaum zu identifizieren
Allein im nepalesischen Distrikt Chitwan an der Grenze zu Indien wurden derweil 233 Leichen geborgen, von denen bislang nur vier identifiziert werden konnten, wie die dortige Bezirksverwaltung mitteilte. Viele Tote waren von der Gewalt der Wassermassen Dutzende Kilometer mitgerissen worden.
Die Leichen und menschlichen Überreste verwesten zunehmend, sagte der zuständige Bezirksbeamte Ganesh Aryal. Gesundheitsexperten warnten deshalb vor einem möglichen Risiko für die öffentliche Gesundheit. Die Behörden ordneten nun an, vor der Bestattung jeweils DNA-Proben von den Toten zu nehmen und nicht identifizierte Opfer dann an einem Ort im nepalesischen Devghat beizusetzen. Die Entscheidung sei bei einem Treffen der zuständigen Behörden gefallen, teilte die Bezirksverwaltung mit.
Angst vor Infektionskrankheiten
Überhaupt wächst in den überfluteten Gebieten die Gefahr von Infektionskrankheiten. Abwasser und Fäkalien können in Trinkwasserquellen gelangen, beschädigte Latrinen und überflutete Kläranlagen verschärfen die hygienische Lage. In Notunterkünften steigt das Risiko zusätzlich, wenn es an sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen fehlt. Besonders gefürchtet ist die Cholera, die durch das Bakterium Vibrio cholerae ausgelöst wird.
Auch die Gefahr einer weiteren Flutwelle ist noch nicht vollständig gebannt. Oberhalb des chinesischen Grenzpostens Gyirong hatte sich nach der Katastrophe ein See aufgestaut. Ein möglicher Dammbruch hätte erneut gewaltige Wassermassen ins Tal schicken können.
Nach Angaben chinesischer Behörden floss das Wasser inzwischen jedoch auf natürlichem Weg ab, wodurch sich die Gefahr deutlich verringert habe. Die Flut selbst hatte sich am Mittwoch durch das enge Flusstal zwischen Tibet und Nepal gewälzt und nach bisherigen Erkenntnissen ihren Ausgang wahrscheinlich bei einem Gletscherabbruch genommen.
Derweil werden auch im benachbarten Indien inzwischen mögliche Opfer der Flut geborgen: Im Bundesstaat Uttar Pradesh wurden nach Berichten indischer Medien zehn Leichen aus dem Gandak-Fluss gezogen, die vermutlich aus Nepal angeschwemmt wurden. Der Fluss führt neben den Leichen auch Fahrzeuge, Hausrat und Trümmer mit sich.
Mehr als 4400 Menschen gerettet
Aber es gibt gute Nachrichten: Bis zum Freitagabend (Ortszeit) gab die Katastrophenschutzbehörde des Landes die Zahl der Geretteten mit mehr als 4400 Menschen an. Laut offiziellen Angaben vom Samstagvormittag wurden bislang 149 Ausländer gerettet.
Die tödliche Flutwelle, die nach Expertenmeinung am Mittwoch in Nepal durch einen Gletschersturz ausgelöst worden war, hatte sich ihren Weg durch ein enges und steiles Flusstal gebahnt. Sie hatte dabei alles mitgerissen, was auf ihrem Weg lag.
#Adessonews seleziona nella rete articoli di particolare interesse.
Se vuoi leggere l’articolo completo clicca sul seguente link




