Wenn Trump fast unbemerkt von der Wahlkampf-Website verschwindet


Zwischenwahlen in den USA

Vor den US-Zwischenwahlen im November entfernen republikanische Kandidatinnen und Kandidaten offenbar Hinweise auf besondere Verbindungen zu Donald Trump von ihren Webseiten. (Archivbild)

Vor den US-Zwischenwahlen im November entfernen republikanische Kandidatinnen und Kandidaten offenbar Hinweise auf besondere Verbindungen zu Donald Trump von ihren Webseiten. (Archivbild)

AP

Vor den Zwischenwahlen in den USA haben einige Republikaner prominente Hinweise auf ihre Nähe zu Donald Trump aus ihrem Internet-Auftritt gestrichen. Sprecher versichern indes die anhaltende Loyalität der Kandidierenden.

Redaktion blue News
DPA

Redaktion blue News, DPA

Heute um 20:57Heute um 21:06

Darum geht’s

  • Am 3. November 2026 finden in den USA die Zwischenwahlen (Midterms) statt.
  • US-Präsident Donald Trump droht eine Niederlage, er kämpft mit massiv sinkenden Umfragewerten.
  • Einige Kandidierende der Republikaner löschen Hinweise auf Trump aus ihren Onlineauftritten.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Veteran der Luftwaffe. Kleinunternehmer. Trump-Konservativer. So war es bislang in Grossbuchstaben auf der Website des republikanischen Kongresskandidaten Carlos De La Cruz aus Texas zu lesen. Zur Zwischenwahl in diesem Jahr hat er den Text geändert. Jetzt heisst es: Geborener Texaner. Veteran der Luftwaffe. Kleinunternehmer. Bewährter Republikaner.

Wie er machen es einige Kandidierende seiner Partei. Nach dem Ende umkämpfter Vorwahlen rücken einige von ihnen nun zumindest in ihrer Aussendarstellung etwas von US-Präsident Donald Trump ab. Das allerdings weist das Wahlkampfteam von De La Cruz zurück. Man habe im Gegenteil vor den Vorwahlen die Unterstützung des Präsidenten einfach besonders hervorgehoben, hiess es.

Neue Wortwahl, neue Fotos

Zwar steht die überwiegende Mehrheit der Republikaner, die sich im November zur Wahl stellen, trotz miserabler Zustimmungswerte für Trump weiter hinter dem Präsidenten. Doch einige treten still und leise ein paar Schritte zurück. Oft macht es sich nur an wenigen Worten oder neuen Fotos fest.

Von Kalifornien über Texas und Kentucky bis nach Alaska haben Kandidierende in den vergangenen Wochen ihre Wahlkampfbotschaften angepasst, sodass die Verbindung zu Trump nicht mehr so offenkundig ins Auge sticht. Eine Handvoll anderer hat sich sogar deutlich von der Politik des Präsidenten distanziert, sei es im Iran-Krieg, in Wirtschaftsfragen oder der Umbenennung des Ontario-Sees in «Lake America».

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Für gefährdete republikanische Kandidaten ist das ein schwieriger Balanceakt: Bei der Wahl im November müssen sie auch Wähler ausserhalb von Trumps «Make America Great Again»-Basis (MAGA) ansprechen, ohne zugleich den Präsidenten und dessen treue Anhänger gegen sich aufzubringen.

Schlechte Umfragewerte für Trump

Aus der Partei indes wird betont, dass es keinerlei Veränderung gebe. Mike Marinella, ein Sprecher des Republikanischen Kongresskomitees NRCC, spricht von einer «künstlich geschaffenen Geschichte». «Präsident Trump und die Republikaner im Repräsentantenhaus haben historische Ergebnisse für das amerikanische Volk erzielt, und unsere Kandidaten sind bestrebt, diese Bilanz gemeinsam mit dem Präsidenten im Wahlkampf direkt den Wählern zu präsentieren», erklärt er.

Dennoch könnten die Anpassungen bei mindestens einem halben Dutzend republikanischer Kongresskandidierender ein Signal für Verschiebungen in der Partei sein. Nur noch ein Drittel der erwachsenen Amerikanerinnen und Amerikaner befürwortet laut einer AP-NORC-Umfrage vom Juli die Amtsführung des Präsidenten. Trump bekommt recht schlechte Noten in den Bereichen Wirtschaft, Einwanderung und Aussenpolitik.

Bei einem Auftritt in South Carolina forderte Trump seine Anhänger auf, bei den Zwischenwahlen so zu tun, als stünde er selbst auf dem Wahlzettel. Das Problem sei, dass seine Anhänger nicht zur Wahl kämen, wenn er selbst nicht auf dem Stimmzettel stehe, sagte Trump.

Keine Stellungnahme

Zu jenen, die ihren Wahlkampfauftritt verändert haben, gehört Eric Flores, der in Texas kandidiert. An zweiter Stelle seiner Prioritäten auf der Homepage stand einst «Unterstützung der Agenda von Präsident Trump». Inzwischen lautet er «Senkung der Lebenshaltungskosten». Das Wahlkampfteam des Politikers lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

In Kentucky entfernte Ralph Alvarado alle Verweise auf Trump von seiner Wahlkampf-Homepage. Auch ein Foto, das ihn nach seinem Sieg bei den Vorwahlen im Mai zusammen mit dem Präsidenten zeigte, ist nicht mehr da. Er verspricht nun eine «unabhängige» Führung, nachdem er zuvor als «America-First-Kämpfer» angetreten war.

Anhaltende Unterstützung versichert

Auf die Änderungen angesprochen, über die zuerst NBC News berichtet hatte, erklärte Alvarados Wahlkampfleiter Andy Westberry, dass das Foto weiterhin an anderer Stelle in einer Mediengalerie zu sehen sei. «Die Sozialisten müssen sich schon deutlich mehr einfallen lassen als diesen Unsinn», konterte er.

In Nevada war Trump im Juni auf der Website des republikanischen Kongresskandidaten Marty O’Donnell prominent vertreten. Das allererste, was Besucher der Seite sahen, war ein Pop-up mit einem grossen Bild von Trump und einem lächelnden O’Donnell Seite an Seite. Zwei Monate später ist das Foto verschwunden, laut O’Donnells Wahlkampfteam schlicht als Teil der üblichen Rotation auf der Seite. O’Donnell sei nicht von seiner unerschütterlichen Unterstützung für Trump abgekommen.

Für das «Land, das er liebt»

Auch bei De La Cruz in Texas ist Trump nicht verschwunden. In einem Video etwa ist der Luftwaffenveteran bei einer Trump-Kundgebung zu sehen. In seiner Biografie bezeichnet er sich weiter als «Texas-Trump-Konservativer», und die Unterstützung der «America-First-Agenda» zählt auch noch zu seinen Zielen.

Doch das ist nicht mehr so prominent wie zuvor platziert. Und auch die Biografie wurde angepasst. Wo es vorher hiess, er sei «bereit, Präsident Trumps treuer Mitstreiter im Kongress zu sein», steht nun, er kandidiere, weil er glaube, «dass Amerika mehr dienende Führungspersönlichkeiten und weniger korrupte Politiker braucht» und weil er «dem Land, das er liebt» weiter dienen wolle.

Für Trumps Partei stehen bei den Zwischenwahlen die Mehrheiten sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat auf dem Spiel. Eine Übernahme einer oder beider Kammern durch die Demokraten würde den Handlungsspielraum des Präsidenten empfindlich einschränken. Damit könnte sich die verbleibende zweijährige Amtszeit von Donald Trump drastisch verändern.

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