Putin geht auf Konfrontationskurs mit dem Westen


Attentate, Brände, Explosionen

Im August brennen Rüstungsbetriebe in Bulgarien, Italien und Estland. In Leipzig wird eine dritte Drohne mit Sprengstoff entdeckt. In Polen wird ein Attentat verhindert. Dahinter soll jeweils Russland stecken. Der Kreml gibt aber bloss zu, in Grossbritannien zuschlagen zu wollen.

Darum geht’s

  • Russland droht britischen Firmen, die Drohnen für die Ukraine bauen, offen mit militärischen oder hybriden Angriffen.
  • Bei Berlin ist ein Waffenversteck von Agenten und bei Leipzig eine dritte Drohne mit Sprengstoff entdeckt worden.
  • Russland wird dafür ebenso verantwortlich gemacht wie für ein vereiteltes Attentat in Polen.
  • Moskau verstärkt seine Sabotageakte, wie auch Brände in Rüstungsbetrieben in Bulgarien, Italien und Estland zeigen sollen.
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Als Andy Burnham am 24. August, dem 35. Unabhängigkeitstag der Ukraine, vor der Sophienkathedrale in Kiew öffentlich spricht, wird der britische Premier deutlich.

Burnham vergleicht den Kampf der Ukrainerinnen und Ukrainer gegen ihren Nachbarn mit dem Krieg Grossbritanniens gegen Nazideutschland. Er sagt laut dem «Guardian»: «Trotz der unerhörten Drohungen Russlands gegen mein Land werden wir die Ukraine weiterhin unterstützen.»

Der Premier spricht die bilateralen Beziehungen zu Moskau an, die sich laufend verschlechtern. Zuletzt hat sich der Kreml beschwert, weil London der Ukraine Drohnen liefert. Vor Burnhams Besuch ist dann auch noch bekannt geworden, dass Grossbritannien Kiew die geheimen Baupläne des Marschflugkörpers Scalp alias Storm Shadow überlässt.

Der Sprecher des Kreml kritisiert die Unterstützung Grossbritanniens am 24. August: London «giesst Öl ins Feuer», zitiert «Reuters» Dmitri Peskow. Andy Burnham greift das bei seiner Rede in Kiew auf: «Wer hat das Feuer gelegt? Das ist doch die Frage, oder?»

Drohne und Sprengstoff in Leipzig entdeckt

Moskau zeigt sich unbeeindruckt: Kreml-Berater Andrei Fedorov erklärt der BBC am 25. August, die britische Drohnen-Produktion könnte angegriffen werden. Wladimir Putin könnte gezwungen sein, «gewisse Massnahmen gegen Grossbritannien» zu ergreifen. Es gehe um «halbmilitärische» Aktionen gegen die entsprechenden Fabriken.

«Sie könnten nicht von Russland angegriffen werden, sondern von unbekannten Tätern», sagt Fedorov, der früher Vize-Aussenminister war. Weniger subtil regiert Kreml-Sprecher Peskow, der betont, das russische Militär sammle bereits Daten über die Produktionsstätten auf der Insel.

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Was Grossbritannien blüht, zeigt sich in Deutschland. In der Nacht vom 4. auf den 5. August wird eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt, die am Flughafen Leipzig/Halle über einem ukrainischen Frachtflugzeug schwebt, das Munition aus Frankreich geholt hat. Eine zweite Drohne soll mit einem Flugzeug kollidiert sein.

Nun wird bekannt, dass am 14. August auf einem Feld im Westen des Flughafens eine dritte Drohne entdeckt worden ist, wie die deutsche «Tagesschau» berichtet.

Einsatzkräfte der deutschen Polizei suchen am 12. August ein Feld am Flughafen Leipzig/Halle nach Spuren ab.

Einsatzkräfte der deutschen Polizei suchen am 12. August ein Feld am Flughafen Leipzig/Halle nach Spuren ab.

DPA

Weiter sei eine Substanz bei der Drohne gefunden worden, bei der es sich nach einer ersten Einschätzung um «rund 50 Gramm des hochexplosiven militärischen Sprengstoffs Hexogen» handeln könnte. Ermittler vermuten Russland hinter der Sache.

Anschläge in Polen und Deutschland verhindert

Das gilt auch für ein Waffenversteck in einem Wald nahe Berlin, in dem deutsche Sicherheitsbehörden zwei Pistolen gefunden haben, meldet die «Tagesschau» am 21. August: «Eingeweihte sind überzeugt, dass die Waffen wohl für Agenten hinterlegt wurden, die im Bundesgebiet im Auftrag Moskaus sogenannte ‹kinetische Operationen› begehen sollten.» Mit dem militärischen Begriff ist gewaltsamer Waffeneinsatz gemeint.

Dass potenzielle russische Agentinnen oder Agenten mit solchen Waffen Attentate begehen, ist nicht auszuschliessen: Im Juli 2024 hat CNN berichtet, Moskau hätte einen Anschlag auf Rheinmetall-Chef Armin Papperger geplant, der vereitelt worden sei. Sein Rüstungskonzern liefert verschiedene Waffen an Kiew.

Sprengstoffdrohne in Leipzig, Drohnen im rumänischen Luftraum, Spionageflugzeug im finnischen Luftraum, Mordpläne gegen deutsche Firmenchefs, Waffenversteck bei Berlin – wer diese Dinge jetzt noch wegdiskutiert oder verharmlost, stellt sich gegen deutsche Sicherheitsinteressen.

— Nico Lange (@nicolange.bsky.social) 21. August 2026 um 13:52

In Polen wurde nun ebenfalls ein Anschlag auf einen amerikanisch-ukrainischen Doppelbürger verhindert, wie Premier Donald Tusk enthüllt. Der Zugriff sei am 7. August erfolgt: «Dank des ⁠wirklich brillanten Einsatzes unserer Dienste […] haben wir einen russischen Staatsbürger verhaftet, der von russischen Geheimdiensten rekrutiert worden war», wird er zitiert.

Ob Grossbritannien, Deutschland oder Polen: «Russland sabotiert Waffenfabriken in ganz Europa», warnt der britische «Telegraph» und lässt eine Nato-Quelle zu Wort kommen. «In den letzten Jahren hat Russland seine Destabilisierungskampagnen gegen die Bündnispartner durch Cyberangriffe, Attentatsversuche und Sabotageakte verstärkt.»

Brände in Bulgarien, Italien und Estland

Die Londoner Zeitung zählt auf: ein Brandanschlag am 15. August auf die Firma Milrem Robotics in Tallinn in Estland, die Bodendrohnen an die Ukraine liefert. Eine Explosion am 13. August in einer Munitionsfabrik in Colleferro in Italien sowie am 10. August in einer Munitionsfabrik in Belitsa in Bulgarien, die Artilleriegranaten an Kiew liefert.

🇪🇪🇷🇺 According to Bloomberg, Estonia is investigating possible Russian involvement in a fire at a facility belonging to defense company Milrem Robotics. The Estonian prime minister said Russian sabotage is one of the main lines of the investigation.👇

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— OSINTRadar (@osintradar.bsky.social) 20. August 2026 um 09:39

Die Täter stünden noch nicht fest, aber Russlands Geheimdienst hinterlasse ohnehin kaum Spuren, schreibt der «Telegraph» weiter. Die Agentinnen und Agenten selbst würden in ihrer Heimat bleiben, über Mittelsmänner und Apps wie Telegram arbeiten und Handlanger rekrutieren, die sie mit Kryptowährungen bezahlen, um unerkannt zu bleiben.

Auch die finnische Zeitung «Iltalehti» will aus Geheimdienstquellen erfahren haben, dass Russland die hybride Kriegsführung gegen den Westen verschärft. Sabotageakte seien wahrscheinlicher als je zuvor. Finnlands Premier Petteri Orpo ist mit Blick darauf «pessimistisch»: «Ich denke, wir müssen vorbereitet und wachsam sein, denn Russland versucht ganz offensichtlich, die Situation zu eskalieren.»

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