So haben sich Trumps Ziele nach sechs Monaten Iran-Krieg verschoben


Atom-Frage und Strasse von Hormus

Von wegen wenige Wochen: Donald Trump führt seit sechs Monaten Krieg gegen den Iran – Ausgang ungewiss.

EPA/Will Oliver

Trump rechnete mit vier bis fünf Wochen Krieg. Ein halbes Jahr später ist kein Ende in Sicht. Einige militärische Ziele sehen die USA erreicht – dafür ist ein neues Problem ins Zentrum gerückt.

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Heute um 20:59

Darum geht’s

  • Den Sieg im Krieg gegen den Krieg gegen den Iran hat Donald Trump zwar schon mehrfach erklärt. Doch die Kämpfe gehen auch sechs Monate nach Kriegsausbruch weiter.
  • Während die Waffenbestände der USA schrumpfen, rückt eine Grundsatzvereinbarung in weite Ferne.
  • Dazu hat Donald Trump ein ganz anderes Problem: Den wirtschaftlichen Druck infolge der Kämpfe und innenpolitischer Druck.
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Vier bis fünf Wochen – so lange sollte der Krieg mit dem Iran nach der ursprünglichen Prognose von US-Präsident Donald Trump dauern. Sechs Monate später ist ein Ende nicht in Sicht. Trump hat zwar wiederholt erklärt, der Krieg sei gewonnen oder eine Einigung stehe kurz bevor.

Doch eine im Juni getroffene Grundsatzvereinbarung, die den Weg zu einem Ende der Kämpfe ebnen sollte, ist ins Stocken geraten. Zugleich sind die Bestände der USA an wichtigen Waffen geschrumpft und Washington setzt inzwischen stärker auf wirtschaftlichen Druck als auf weitere Angriffe.

Mit der Dauer des Kriegs haben sich auch die Ziele der USA verändert. Besonders deutlich wird das an der Strasse von Hormus. Ihre Wiederöffnung gehört inzwischen zu den wichtigsten Anliegen Washingtons – zu Beginn des Kriegs zählte sie noch nicht zu Trumps erklärten Zielen.

Vor dem Krieg wurde durch die Meerenge rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls verschifft. Seit Beginn der Kämpfe ist sie weitgehend geschlossen. Das treibt unter anderem die Preise für Treibstoff und Düngemittel nach oben und belastet damit auch die USA wirtschaftlich und politisch.

Trump erklärt Meerenge für funktionsfähig

Trump selbst zeichnet ein anderes Bild. Am Mittwoch bezeichnete er die Strasse von Hormus in einem Radiointerview als funktionsfähig. Zwar werde gelegentlich eine Drohne oder Rakete abgefeuert, sagte er, dennoch funktioniere die Meerenge. Zu anderen Gelegenheiten hatte der US-Präsident erklärt, eine Vereinbarung mit dem Iran werde die Wiederöffnung der Strasse von Hormus und ein Ende der US-Blockade iranischer Häfen umfassen.

Ein weiteres zentrales Ziel der USA war von Beginn an, den Iran am Bau von Atomwaffen zu hindern. Trumps Regierung begründete die Angriffe damit, dass Teheran nur noch wenige Wochen von der Entwicklung einer Bombe entfernt gewesen sei.

Konsternierter Donald Trump: Aus einem geplanten schnellen Kriegserfolg gegen den Iran wurde nichts.

Konsternierter Donald Trump: Aus einem geplanten schnellen Kriegserfolg gegen den Iran wurde nichts.

Al Drago/POOL via CNP/INSTARimages.com

Offen ist insbesondere, was mit rund 440 Kilogramm angereichertem Uran geschehen soll, das nach Einschätzung von Experten für eine Atomwaffe verwendet werden könnte. Das Material wird unter drei Anlagen vermutet, die schon im vergangenen Jahr von den USA und Israel bombardiert wurden.

Trump erklärte im Mai, das Material solle in Zusammenarbeit mit dem Iran und der Internationalen Atomenergiebehörde geborgen und zerstört werden. Ob Teheran dem zustimmen würde, ist unklar.

In der Grundsatzvereinbarung vom Juni bekräftigte der Iran nach Angaben von Regierungsvertretern, keine Atomwaffen beschaffen oder entwickeln zu wollen. Vorgesehen war auch, den Anreicherungsgrad des hoch angereicherten Urans zu verringern. Viele Einzelheiten zum iranischen Atomprogramm blieben jedoch weiteren Verhandlungen überlassen, die kurz darauf weitgehend zum Erliegen kamen.

Wie stark ist Irans Militär geschwächt?

Militärisch verweisen die USA auf erhebliche Erfolge. Zu den ursprünglichen Zielen gehörte die Zerstörung iranischer Raketen und der dazugehörigen Industrie. Ende März erklärte Trump, 90 Prozent der iranischen Raketen und Abschussvorrichtungen seien ausgeschaltet. Mitte Mai sprach er noch von 82 Prozent.

Iran ist allerdings weiterhin zu Angriffen in der Region in der Lage und setzte unter anderem Drohnen gegen Schiffe in der Strasse von Hormus ein. Noch im Juli griff das US-Militär nach eigenen Angaben iranische Kommandozentralen, Luftabwehrstellungen sowie Raketen- und Drohnenabschussanlagen an.

US-Aussenminister Marco Rubio erklärte im Juni, auch die iranische Rüstungsindustrie sei massiv getroffen worden. Die USA und Israel erlangten zudem rasch die Lufthoheit über dem Iran. Rubio zufolge verfügt Teheran zwar weiterhin über Drohnen, kann diese aber nicht mehr wie zu Kriegsbeginn in Schwärmen einsetzen. Trump sagte am Mittwoch, Irans Marine und Luftwaffe seien vollständig ausgeschaltet.

Vom Schutz der Verbündeten zur Drohung gegen Oman

Zu Trumps erklärten Zielen gehörte auch der Schutz der US-Verbündeten im Nahen Osten. Tausende amerikanische Soldaten sind weiterhin auf Stützpunkten und anderen Einrichtungen in der Region stationiert. Als der Iran im Juni nach US-Angaben Raketen auf Kuwait und Bahrain abfeuerte, reagierten die Vereinigten Staaten mit weiteren Angriffen auf den Iran.

Das Verhältnis zum Verbündeten Oman zeigt jedoch, wie kompliziert die Lage inzwischen ist. Das Sultanat verhandelt mit dem Iran über die Strasse von Hormus. Trump drohte Oman im August mit Bombardierungen, sollte sich das Land den USA «in den Weg stellen».

Auch ein weiteres ursprüngliches Kriegsziel ist bislang nur teilweise erreicht: Iran soll seine Unterstützung verbündeter bewaffneter Gruppen in der Region einstellen. Anfangs griffen die USA mit Teheran verbündete Milizen im Irak an. Im Mittelpunkt steht inzwischen jedoch vor allem der Krieg Israels gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah im Libanon.

Eine von den USA vermittelte Vereinbarung sieht den Abzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon im Gegenzug für eine Entwaffnung der Hisbollah vor. Die Miliz lehnt ihre Entwaffnung bislang ab.

Ausserdem greifen die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen weiter Schiffe an der Zufahrt zum Suezkanal und saudi-arabische Ölanlagen an.