Diese einfache Angewohnheit macht deine Beziehungen besser


Darum geht’s

  • Selbst von ihren engsten Bezugspersonen wünschen sich Menschen Fragen, die ihnen offenbar zu selten gestellt werden.
  • Besonders häufig möchten sie nach ihrem Befinden, ihren Gedanken und ihrem Leben gefragt werden.
  • Experimente zeigen: Nicht nur die Zahl der Fragen zählt.
  • Besonders gut kommen Anschlussfragen an. Das gilt für Partnerschaften genauso wie für Freundschaften und Familie.
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Bei einem ersten Date stellen wir Fragen. Beim Kennenlernen einer neuen Freundin ebenfalls. Wir wollen wissen, wo jemand aufgewachsen ist, was die Person beschäftigt, wovor sie Angst hat, wohin sie reisen möchte und warum sie keine Oliven auf der Pizza duldet.

Zehn Jahre später kennen wir diesen Menschen schliesslich. Wir glauben zu wissen, wie er seinen Kaffee trinkt. Welche Geschichten er immer wieder erzählt. Was er lustig findet und bei welchem Thema die Augen verdreht werden. Aber: Wie aktuell ist dieses Wissen eigentlich noch?

Die Philosophin Lani Watson beschäftigt sich seit Jahren damit, warum Menschen Fragen stellen und was Neugier mit uns macht. Gerade ist ihr neues Buch «Q: The Hidden Power of Questions in a World That Wants Answers» erschienen.

Im britischen «Guardian» erklärte sie: Fragen helfen nicht nur dabei, Neues zu erfahren. Sie fördern auch Empathie und Nähe. Interessant daran: Gerade bei Menschen, über die wir vermeintlich schon alles wissen, scheint einiges ungefragt zu bleiben.

Was uns die anderen endlich fragen sollen

Das zeigt eine 2026 veröffentlichte Studie ziemlich anschaulich. 641 junge Erwachsene sollten sich jeweils eine Frage überlegen, die sie gerne häufiger von wichtigen Menschen in ihrem Leben hören würden: von der besten Freundin oder dem besten Freund, einer Mutter- und Vaterfigur und, sofern vorhanden, von der Partnerin oder dem Partner.

Fast alle konnten das. Nur 2,5 Prozent fiel für keine dieser Beziehungen eine gewünschte Frage ein.

Und es waren keineswegs exotische Dinge, nach denen sich niemand zu fragen traut. Besonders häufig wollten die Befragten nach ihrem Wohlbefinden gefragt werden. Andere wünschten sich mehr Interesse an ihren Gedanken, Erlebnissen und Hobbys oder an der Beziehung selbst.

Warum? Viele erklärten, sie wollten sich dadurch gesehen und verstanden fühlen, mehr miteinander reden oder die Beziehung verbessern. Das Bemerkenswerte ist also gerade die Banalität der gewünschten Fragen: Offenbar bleiben selbst zwischen Menschen, die sich sehr nahestehen, ziemlich grundlegende Dinge ungefragt.

Wir kennen womöglich eine alte Version

Bei Paaren lässt sich gut beobachten, wie das passieren kann.

Am Anfang einer Liebesbeziehung ist Neugier praktisch eingebaut. Die Paar- und Familientherapeutin Elizabeth Earnshaw beschreibt in der «Washington Post», wie selbstverständlich Menschen beim Kennenlernen wissen wollen: Wo bist du aufgewachsen? Was wünschst du dir vom Leben? Wovor hast du Angst? Wodurch fühlst du dich geliebt?

Ein paar Jahre später lautet die Frage eher: «Brauchst du noch etwas aus dem Supermarkt?» Das sei nicht unbedingt ein Zeichen schwindenden Interesses, sagt Earnshaw. Der Alltag übernimmt. Gleichzeitig entsteht die Überzeugung, den anderen ohnehin zu kennen.

Man weiss, dass er keine Rosinen mag, sie bei Filmen grundsätzlich nach sieben Minuten einschläft und beide beim Restaurantbesuch am Ende doch wieder dasselbe bestellen. Fall abgeschlossen.

Nur bleibt der Mensch nicht derselbe. Wünsche, Interessen, Gewohnheiten und Prioritäten verändern sich. Earnshaw plädiert deshalb dafür, immer wieder herauszufinden, wer das Gegenüber heute ist.

Wer fragt, kommt besser an

Dass Fragen tatsächlich einen Unterschied machen, wurde auch experimentell untersucht. Für eine 2017 veröffentlichte Studie liessen Forschende Menschen miteinander reden und analysierten, wer wie viele Fragen stellte.

Das Ergebnis: Wer mehr fragte, kam beim Gegenüber besser an.

Besonders interessant waren die Anschlussfragen. Also nicht der Themenwechsel zu «Und was machst du am Wochenende?», sondern das Nachhaken bei etwas, das die andere Person gerade erzählt hat.

Beim Speed-Dating hatte das sogar eine ziemlich konkrete Konsequenz: Wer mehr Anschlussfragen stellte, bekam häufiger ein Ja zu einem zweiten Date. Die Studie wurde 2025 wegen Fehlern in der Ergebnisdarstellung korrigiert; die wesentlichen Schlussfolgerungen blieben bestehen.

Zu viel Neugier kann nerven

Und es ging keineswegs nur ums Flirten. Auch bei gewöhnlichen Gesprächen zwischen Menschen, die sich gerade erst kennengelernt hatten, kamen jene besser an, die mehr nachfragten.

Die Forschenden erklären den Effekt damit, dass Fragen Aufmerksamkeit, Verständnis und Interesse vermitteln.

Eine Übersichtsarbeit von 2024 zur sogenannten «interpersonellen Neugier» kommt zu einem ähnlichen Bild. Interesse an den Gedanken und Erfahrungen anderer hängt unter anderem mit Verbundenheit, Empathie und guten sozialen Beziehungen zusammen.

Fragen stellen allein reicht nicht

Nun könnte man die Erkenntnisse sofort anwenden und mit der Beziehungspflege beginnen: Arbeit gut? Beziehung gut? Ferien schon gebucht?

Das Experiment ist so sehr schnell beendet.

Gute Stimmung ist schon mal da. Ob sie auch wissen, was die anderen gerade beschäftigt?

Gute Stimmung ist schon mal da. Ob sie auch wissen, was die anderen gerade beschäftigt?

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Möglichst viele Fragen abzufeuern, ist nämlich nicht der Punkt. Neugier kann auch aufdringlich sein. Wer Grenzen ignoriert oder Informationen aus jemandem herausziehen will, schafft damit kaum mehr Nähe.

Earnshaw empfiehlt deshalb konkretere Fragen. Statt: «Wie war die Arbeit?» etwa: Was war heute das Schwierigste? Hat dich etwas überrascht? Worauf freust du dich diese Woche?

Es muss nicht einmal persönlich beginnen. Ein Nachrichtenartikel, ein Meme oder eine absurde Nachricht im Gruppenchat kann laut Earnshaw reichen: «Hast du das gesehen?» – «Was hältst du davon?»

Warum die zweite Frage zählt

Dann kommt der Teil, der sich in den Experimenten als besonders interessant erwiesen hat: die nächste Frage. Beschwert sich ein Freund über einen Kollegen, kann man fragen, wie die anderen im Team die Situation erleben. Erzählt die Partnerin begeistert von einem neuen Restaurant, kann man fragen, was daran so gut war.

Darum geht es auch Philosophin Lani Watson: nicht einfach eine Frage nach der anderen zu stellen, sondern sich von einer Antwort zur nächsten Frage führen zu lassen. So erfährt man auch von Menschen, die man seit Jahren kennt, immer wieder etwas Neues.

Man muss Menschen, die einem nahestehen, nicht mit einem Katalog tiefgründiger Fragen überraschen. Man könnte einfach öfter dort weiterfragen, wo man sonst «Aha» gesagt und das Thema gewechselt hätte.


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